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  • Soll ich oder soll ich nicht?

    Gedanken zum Marketing (1)

    Alle tun es. Oder zumindest sagen alle, das man es tun muss. Was ja nicht hundertprozentig das selbe ist. Man könnte mir unterstellen, dass schon allein diese Tatsache Grund genug sei, dagegen zu sein. Aber das stimmt nicht. Ich habe es versucht. Ehrlich versucht. Aber alles in mir sträubt sich dagegen. Dann kann es doch nicht gut sein, oder? Man sollte doch zumindest ein wenig Spaß an dem haben, was man tut? Jetzt könnte man einwenden, den habe ich ja in meinem Brotberuf auch nicht immer und das stimmt in letzter Zeit sogar immer öfter. Aber darum heißt er ja auch Brotberuf. Und nicht Spaßberuf. Irgendwann hat das sogar einmal einigermaßen zusammen gepasst, aber die Wege gingen immer weiter auseinander. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Heute spreche ich von Marketing. Das hat zwar auch wieder ein wenig mit meinem Brotberuf zu tun, weil mein Chef mir dort einmal gesagt hat, ich verkaufe mich nicht gut genug. Was mich jetzt über diesen Umweg doch wieder zum Ursprungsthema bringt. Ich bin ein introvertierter Mensch. Ich schreibe lieber als ich rede. Deswegen habe ich ein Buch geschrieben. Eigentlich sogar schon zwei. Oder zweieinhalb. Wäre ich ein extrovertierter Mensch, hätte ich meine Trennungsgeschichte vielleicht in einem Kabarettprogramm verarbeitet. Oder mich als Singer Songwriter ausgedrückt. Ich schreibe aber gern. Auch und ganz besonders an meinen Lebensbrüchen. Dann fließt es förmlich aus mir heraus, ohne dass ich es verhindern könnte. 

    Meine Auswanderungsversuch nach Ägypten mit Mann und Baby war so ein Lebensbruch, den ich in meiner Kurzgeschichte verarbeitet habe:

    Deswegen habe ich auch schon mal einen Blog geschrieben. 2011 ließ ich in desperateworkingmum.worpress.com all meinen Unmut über eine berufliche Degradierung entweichen. Und weil mir das so viel Spass gemacht hat und ich die Kommentare so sehr genossen habe, wurde das ganze dann auch ein wenig ausgeweitet um Anekdoten über das Familienleben. Schließlich ging es um eine Mom und die erlebt ja mehr als nur Arbeit. 

    Ein Jahr später blieb der Blog dann leider verwaist, weil ich statt der kleinen Alltagssorgen richtige Probleme bekam. Die ich dann zwölf Jahre später in meinem Memoir Trennung al dente verarbeitet habe. 

    Wollte ich nicht eigentlich über Marketing schreiben? Beim Schreiben kann ich so schön abschweifen, wie es mir sprechenderweise niemals gelingen würde. Meine Freunde bezeichnen mich als ruhig, während meine Tastatur eine richtige Plaudertasche zu sein scheint. 

    Eigentlich bin ich ja doch schon mittendrin im Thema. Denn warum sollte ich jetzt Werbung für mein Buch machen, und vor allem wo und wie? Als desperateworkingmum bloggenderweise meine Erlebnisse in die Welt zu posaunen hat mir doch so viel Freude bereitet, niemals wäre ich damals auf den Gedanken gekommen, damit etwas verdienen zu wollen, obwohl es durchaus vergleichbare Blogs mit diesem Hintergrund gab. 

    Und beim Blog habe ich mich noch nicht einmal komplett schreibenderweise verausgabt. Ich habe sogar schon einmal ein ebook geschrieben. Eines, das mir heute ehrlicherweise ein wenig peinlich ist. Ich wollte es eigentlich verschenken, aber der Mindestpreis auf KDP war 99 Cent. Das erschien mir gerade noch angemessen. Ich versah es mit einem selbst geschossenen Foto als Cover. Das war mein erstes Memoir bevor ich überhaupt wusste, was ein Memoir ist. Ich habe darin ein Problem aus meiner Welt beschrieben und meinen persönlichen Umgang damit und den Versuch es zu lösen. Und ich wollte Menschen mit ähnlichen Problemen damit Mut machen. Genauso wie mein Blog offensichtlich einen Nerv vieler anderer Mütter getroffen hat, wie ich den aufmunternden Kommentaren entnehmen konnte.

    Leider blieb mir nach Veröffentlichung meines ersten ebooks weder Zeit noch Muße, sein weiteres Schicksal zu verfolgen, weil statt der bisher beschriebenen Sorgen ja richtige in mein Leben getreten waren. Vielleicht verrate ich euch irgendwann einmal Pseudonym und Titel des ebooks.

    Erst als ich mein Trennungs-Memoir „Trennung al dente“ fertig geschrieben hatte, wagte ich es, die 69 Rezensionen meines ersten ebooks zu lesen. Etwas spät, könnte man jetzt einwenden, denn ein paar Monate vorher hätte ich vielleicht noch etwas daraus lernen können für mein neues Projekt. Aber damals hatte ich noch nicht an eine Veröffentlichung gedacht. Der Gedanke setzte sich erst nach und nach fest und ließ sich nach der ersten Testleserin nicht mehr vertreiben. Danach begann ich mich auch für das Schicksal meines ersten ebooks zu interessieren. Über 1000 Menschen hatten es gekauft. Ich war erstaunt und dankbar. Und 69 Menschen haben sich doch tatsächlich die Mühe gemacht, eine Rezension zu verfassen. Ich war begeistert und dankbar. Für die guten und auch für die weniger guten, denn aus denen konnte ich tatsächlich etwas lernen. 

    Und kurz vor Ende meines Posts komme ich jetzt auch zum angekündigten Thema. Ich schreibe gern. Und manche Menschen mögen mein Geschriebenes. Aber ich verkaufe mich nicht gern und wie schon mein Brotberufs-Vorgesetzter festgestellt hat, tue ich das auch nicht gut. Und trotzdem will/soll ich für mein neues Buch Marketing machen. Warum eigentlich, wenn mir doch früher auch das Schreiben aus Spaß an der Freud gereicht hat? 

    An irgendeinem Punkt hatte ich das Bedürfnis, aus meinem neuen Buch etwas ganz Besonderes zu machen. Ich wollte ihm ein Lektorat gönnen, damit es aus meinem persönlichen Dunstkreis heraustreten und aus einer anderen, professionellen Sichtweise heraus überprüft und verbessert werden kann. Genauso wie für mein erstes ebook hatte ich zwar auch eine Idee für das Cover im Kopf, aber ich scheiterte an der Umsetzung. Schließlich bin ich keine Designerin. Mein Buch, das den Menschen Freude bereiten soll, das sie unterhalten, zum Lachen bringen und Mut machen soll, hatte etwas Besseres verdient. Ich vertraute es einer Coverdesignerin an und war begeistert vom Ergebnis. 

    Beim Einarbeiten der Anmerkungen aus dem Lektorat sind mir sicher wieder Fehler unterlaufen und das wollte ich meinen Leserinnen zur zumuten also unterzog ich es auch noch einem Korrektorat. Ich lud mir kostenfreie Vorlagen für Buchsatz mit Word herunter und probierte damit herum. Das Ergebnis befand ich aber nicht für würdig für mein Buch. Jetzt hatte ich eine Lektorin am Text schleifen lassen, eine Coverdesignerin hat dafür gesorgt, dass der erste Blick auf ansprechende Weise etwas über den Inhalt aussagt, eine Korrektorin hatte die Fehler ausgemerzt und dann soll ich es mit so einem selbst gemachten Buchsatz auf die Reise schicken, der aussieht, als stamme er von einem Menschen ohne besonderes Talent oder Begeisterung für Buchsatz? Das brachte ich nicht übers Herz. Und so addierten sich die Kosten, die ich einerseits gerne bereit war vorzuschießen für mein Herzensprojekt. Andererseits wäre es natürlich fein, wenn sie durch den Verkauf wieder hereinkämen und  mir weitere Herzensprojekte ermöglichten. 

    Und ausserdem – ich möchte ja Menschen mit meinem Buch berühren, ihnen Mut machen und sie zum Lachen bringen. Wie sollte das gehen, wenn niemand das Buch kennt? Dann also doch Marketing. Und jetzt doch zum Anfangsthema. Soll ich auf Instagram oder soll ich nicht?

  • Affäre entdeckt – was jetzt?

    Du bist verzweifelt. Gedemütigt. Hilflos. Ratlos. Wütend. Würdest am liebsten alles kurz und klein schlagen oder zumindest ein Glas an die Wand werfen. So wie ich es gemacht habe, nachdem ich die Affäre meines Mannes entdeckt habe. Oder dich vor der Welt verkriechen, nicht mehr vorhanden sein, in eine tiefe Ohnmacht fallen und wie Dornröschen erst wieder aufwachen, wenn der Prinz dich in ein neues Leben erweckt. Aber leider. Nichts von alldem ist möglich. Das Zerdeppern von Geschirr natürlich schon, aber es ändert nur marginal etwas ein deiner Situation. Im besten Fall ist ein klein wenig Wut entwichen und das Aufsammeln der Scherben – das dir wahrscheinlich auch nicht erspart bleibt – hat dich vielleicht ein wenig beruhigt. Eine alltägliche Verrichtung kann helfen, wenn im eigenen Universum grad kein Stein auf dem anderen zu bleiben scheint. 

    Du kannst gerade keinen klaren Gedanken fassen und die Instinkte, die gerade die Kontrolle über dich übernommen haben, sind auch nur mäßig hilfreich. Irgendwann fragst du dich: was tun? Das hängt natürlich auch ein wenig von der Situation ab. Bist du zu Hause und hast die Wahrheit anhand von Indizien herausgefunden? Dann kannst du jetzt erst einmal deine ganze Wut entweichen lassen, wenn dir danach ist. Es sei denn, deine Kinder sind bei dir. Dann ist das vielleicht keine so gute Idee und du musst das Wüten verschieben. Keine leichte Aufgabe, aber als Mutter ist man ohnehin ständig mit Herausforderungen konfrontiert.

    Oder hat dein Partner gerade gebeichtet? Freiwillig oder nachdem du ihm den Seitensprung aufgrund einer Vermutung unterstellt hast, in der Hoffnung er könne es glaubhaft widerlegen? Dann hängt deine Reaktion von deiner Strategie ab. Wenn du überhaupt in der Lage bist, dir eine solche zu überlegen. Und es hängt vor allem von deiner Persönlichkeit ab. Bist du ein impulsiver Mensch, dann wirst du jetzt vielleicht trotzdem oder gerade wegen der Anwesenheit deines Partners das Weinglas werfen. Entweder im Affekt und ohne bestimmte Richtung, oder vielleicht sogar in seine Richtung? Dann kann er hoffentlich noch rechtzeitig ausweichen. 

    Oder bist du ein ruhiger, beherrschter und trotzdem neugieriger Mensch, dann fragst du ihn jetzt vielleicht nach dem Warum. Oder dem Mit wem. Oder dem Wie lange schon. Willst versuchen, Erklärungen für das absolut Unerklärliche, Unverständliche zu finden.  

    Oder dein Stolz und deine Selbstachtung verbinden sich zu einem Knäuel mit deiner Wut und das Gefühlsgemisch bahnt sich einen Weg von deinen Eingeweiden in dein Sprachzentrum und heraus kommt ein einziges Wort: „Raus!“ Je nach Temperament und Umständen läufst du zu seinem Kleiderschrank, greifst wahllos ein paar Klamotten und wirfst sie schwungvoll hinterher, sofern der Verursacher deiner Wut wunschgemäß den Rückzug angetreten hat.

    So viele und noch viel mehr Möglichkeiten gibt es, auf die Entdeckung eines Seitensprunges zu reagieren und dabei haben wir noch gar nicht die Strategie des Verursachers dieser Seelenpein mit berücksichtigt. Versucht er zu leugnen? Das kann deine Wut anfeuern. Es kann dich aber auch beruhigen, wenn du gerne beruhigt werden möchtest. Ist er vielleicht erleichtert über die Entdeckung, weil sie ihm die Möglichkeit gibt, offen zur „Anderen“ zu stehen? Was wiederum deine Wut befeuern kann oder auch deinen Wunsch nach sofortiger und nachhaltiger Bewusstlosigkeit. Oder vielleicht macht sich auch Erleichterung in dir breit, weil du ohnehin nicht mehr glücklich warst und dir jetzt die Entscheidung abgenommen wird?

    Jede Beziehung ist anders, jeder Mensch ist anders. Aber sie alle eint der Schmerz, der mit so einer Enthüllung verbunden ist. In den sich mal schneller, mal erst nach längerer Zeit auch wieder Freude auf Neues mischt. Entweder mit dem eigenen Partner, wenn die Beziehung diese Stürme übersteht oder danach wieder aufgebaut werden kann. Oder mit neuem Partner oder auch nur einfach mit sich selbst als bester Freundin.

    Viele dieser Szenarien habe ich selbst erlebt. Ich war Betrogene und Betrügende, ich habe ein Weinglas an die Wand geworfen und meinen Mann aus dem Haus. Von all dem handelt mein Buch „Trennung al dente“. Ich nehme dich darin mit auf meine Reise durch den Schmerz, die Ratlosigkeit, die Unentschlossenheit, die Wut, die Rachegelüste. Aber ich lade dich auch ein, mit mir wieder die Liebe, die Lebensfreude, die Aufbruchsstimmung, das Selbstbewusstsein und vor allem den Humor wieder neu zu entdecken. 

    Wenn gerade der erste Sturm der widerstreitenden Gefühle durch deinen Körper tobt, dann fehlt dir vielleicht der Austausch, das Gefühl „ich bin nicht allein“? Dieses Gefühl kann dir mein Buch geben. Du brauchst eine Freundin, die ähnliches erlebt hat und bereit ist, mit schonungsloser Offenheit davon zu erzählen, auch wenn sie selbst nicht immer gut dabei abschneidet? Lass mich diese Freundin für dich sein. Zum Austausch gehören natürlich immer (mindestens) zwei. Daher freue ich mich, wenn du mir von deinen Erfahrungen berichtest. Oder beim Lesen meines Buches einfach nur denkst „ach das kenne ich auch“. Oder dir vielleicht ein „wie kann man nur so doof sein“ entfleucht, denn dann kann ich immer noch als schlechtes Beispiel dienen.

    Das Buch soll dich unterhaltsam durch eine schwere Zeit begleiten. Oder dich einfach nur unterhalten, wenn dir diese Erfahrungen erspart geblieben sind. Wir lesen ja auch gern von Erlebnissen anderer und fühlen, leiden, lieben, lachen mit ihnen. Das alles soll dir mein Buch bieten. Hier kannst du mich in der Leseprobe begleiten, wie ich versuche, eine filmreife Szene hinzulegen:

    Wenn du dich zum Newsletter anmeldest, erfährst du mehr über meine spannende Reise, auf der ich meine Geschichten mit meinen Leserinnen teilen möchte. Warum schreibe ich diese Bücher, wann und wie? Und wie finde ich mich im Selfpublishing-Dschungel zurecht? Und wie verträgt sich das alles mit meinem Brotberuf? Was ist das überhaupt für ein Beruf? Außerdem kannst du eine Gratis-Geschichte lesen über meinen Auswanderungsversuch nach Ägypten

  • Warum ein Memoir schreiben? Und warum veröffentlichen?

    Gedanken zu einem unterschätzten Genre (2)

    In meinem letzten Post Was ist ein Memoir? widmete ich mich den Beweggründen, ein Memoir zu lesen. Aber warum sollte man auf den Gedanken kommen, eines zu schreiben? In meinem Fall ist die Antwort ganz einfach: Weil ich muss. Manche Dinge treten einfach ein, ohne dass man sie verhindern könnte. Wir treffen einen Menschen, ohne ihn gesucht zu haben und verbringen einen großen Teil unseres Lebens mit ihm. Jetzt könnte man einwenden, das Schreiben eines Buches sei eine aktive Handlung, die man setzen könne oder auch bleiben lassen, aber in meinem Fall war das nicht so. Ich musste schreiben. Es schreibt mich.  Und ich musste genau diese Geschichte schreiben. Sie floss einfach so in die Tasten, ohne dass ich es verhindern konnte. Eigentlich wollte ich meinen vor Jahren begonnenen Wirtschaftskrimi weiterschreiben oder einen inzwischen in meinem Kopf entstandenen neuen Krimi ohne jede Wirtschaft in Wort kleiden. Aber kaum begann ich, die Charaktere auszuarbeiten, stellte ich fest: einer davon ähnelt immer mir selbst. So ging das nicht. Ich musste mich zuerst von meiner Vergangenheit frei schreiben. Erst dann dürfen die fiktiven Geschichten aus meinem Kopf befreit werden. 

    Als die ersten Seiten zu fließen begannen, stellte ich Erstaunliches fest: Meine Sichtweise auf die Dinge veränderte sich. Eigentlich hatte ich geplant, wie in meinem Seminar zum Memoir Schreiben gelernt, meine Tagebücher aus der entsprechenden Zeit zu Rate zu ziehen. Ich versuchte die ersten Zeilen in den Notizbüchern zu entziffern und legte sie gleich wieder weg. Viel zu traurig. So kann das nicht gewesen sein. So kann ICH nicht gewesen sein. Ich begann die Geschichte so aufzuschreiben, wie sie in meinem heutigen Hirn gespeichert ist und interessanterweise ist das nicht die gleiche, die in den alten Aufzeichnungen steht. Aber was ist schon wirklich wirklich? Diese Frage beschäftigte ja schon die großen Philosophen und kann von mir bestimmt nicht geklärt werden. Daher finde ich mich damit ab, dass es eben mehrere Wirklichkeiten selbst in mir gibt. Durch das Aufschreiben der Geschichte begann ich sie jedenfalls in einem neuen Licht zu sehen und das bietet immer Raum für neue Erkenntnisse. 

    Die therapeutische Wirkung des Schreibens

    Therapeutisches Schreiben wird manchmal als Begleitung zu einer Therapie angeboten, zur Unterstützung für schwer kranke Menschen oder auch «einfach so». In meinen herausfordernden Zeiten habe ich mir ein Buch über therapeutisches Schreiben besorgt, aber nach den ersten Seiten sowohl im Buch als auch im Notizblock stellte ich fest: das Schreiben funktioniert auch so. Ich brauche gar keine weitere Anleitung. Ich will damit nicht die Bedeutung dieser Unterstützungen schmälern. Aber ich schreibe einfach und danach geht es mir besser. Als ob ich einen Teil meines Schmerzes, meiner Sorgen an die Wörter abgeben könnte, die aus mir herausfließen. Beim Schreiben in einer helleren Stimmung passiert erstaunlicherweise das Gegenteil: die Freude verringert sich durch das Schreiben nicht so wie der Schmerz, durch das Aufschreiben manifestiert sich das Schöne und wird noch realer. Was für ein Wunderding dies Schreiben doch ist.

    Das Schreiben eines Memoirs bietet also gleich doppelte Belohnung: Beim Schreiben das Tagebuches (das durchaus als Grundlage dienen kann) gibt man den Schmerz ab und beim Schreiben des Memoirs mit gebührendem Abstand kann man neue Erkenntnisse gewinnen und sein Leben zwar nicht rückwärts leben, aber immerhin rückwärts verstehen.

    Warum dieses Sendungsbewusstsein?

    Warum aber sollte man auf die Idee kommen, die Ergebnisse dieser Übungen zur Psychohygiene mit anderen zu teilen? Die Antwort ist in meinem Fall wieder die gleiche wie auf die Frage, warum ich diese Geschichten überhaupt schreibe: Weil ich muss. An einem bestimmten Punkt meines Schreibprojektes (so ungefähr ab der Seite 80) setzte sich der Gedanke in mir fest und ließ sich nicht mehr vertreiben. Ich versuchte ihm hartnäckig beizukommen mit allen Argumenten, die gegen eine Veröffentlichung sprechen. Du kannst dich doch nicht so öffentlich bloßstellen, noch weniger kannst du die Menschen deiner Umgebung öffentlich bloßstellen, kein Verlag würde das jemals annehmen…Der Gedanke hatte aber für jedes Problem eine Lösung parat: er dachte sich ein Pseudonym aus, schrieb die handelnden Personen so um, dass sie nicht mehr zu erkennen waren (es ging ja schließlich um mein persönliches Erleben und Wachstum, die Auslöser dafür waren beliebig austauschbar und es machte sogar Spaß, mir als Fingerübung für meine zukünftigen fiktionalen Buchprojekte zur Handlung passende Charaktere auszudenken). Für das Problem mit dem Verlag gibt es schließlich Self-Publishing. Ich schickte die erste 80 Seiten einer Freundin und sie animierte mich, das Projekt weiter zu betreiben. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Ich schrieb das Buch fertig, gab es zwei weiteren Testleserinnen, die mich ebenfalls in der Idee bestärkten. Hier kannst du mehr über mein Buchprojekt Trennung al dente erfahren.

    Natürlich habe ich meinen Gedanken um ein wenig Konkretisierung gebeten. Warum sollte ich das tun?  Reich und berühmt würde ich damit kaum werden. Aber ich hatte das Bedürfnis, meine Erkenntnisse zu teilen, anderen Frauen in ähnlicher Lebenslage das Gefühl zu vermitteln «Du bist nicht allein», vielleicht können meine Geschichten Mut machen. Bei den Dingen, die mir nicht so gut gelungen sind, kann ich vielleicht wenigstens als schlechtes Vorbild dienen. Und im besten Fall meine Leserinnen unterhalten. Wenn mir das gelingt, dann habe ich meine Mission vollendet. Ich bin sicher, da draussen in der Welt gibt es Menschen, die das lesen mögen, auch wenn die Verlage nicht daran glauben. Deswegen gehe ich gerade diesen spannenden Weg und lerne Lektorinnen, Coverdesignerinnen und Buchsetzer kennen. 

    Vielleicht wage ich ja trotz aller Unkenrufe doch noch irgendwann einen Verlagskontakt und zwar auf ganz besondere Weise: am 3. April startet auf Startnext ein Crowdfunding zum spannenden Projekt PitchMyBook. Die engagierten Lektor:innen von buchfein.at schaffen eine Plattform zur Vernetzung von Autoren und Verlagen. Es färbt immer ein wenig auf mich ab, wenn Menschen mit Begeisterung ein Thema voranbringen. Vielleicht geht es dir genauso, wenn du das Pitch-Video ansiehst: https://www.startnext.com/pitchmybook

    Und vielleicht sind unter meinen Leserinnen ja auch Schreiberinnen, die auf einer solchen Plattform einmal einen Versuch starten wollen. Die Plattform gibt es jetzt schon und mein Stöbern dort bringt mich wieder zum heutigen Thema. Die Kategorie «Memoir» findet sich nicht in der Auswahlliste, wenn man ein Manuskript einreichen möchte. Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann.

  • Was ist ein Memoir?

    Gedanken zu einem unterschätzten Genre (1)

    Was habe ich mit Tara Westover und Elisabeth Gilbert gemeinsam? Ich habe ein Memoir geschrieben. Nun ist es natürlich vermessen, mich mit den Bestsellerautorinnen vergleichen zu wollen. Es gibt aber einen weiteren Unterschied zwischen mir und diesen Autorinnen. Ich lebe in Europa. Hier wird dieses Genre etwas unbeholfen versteckt unter „Romanhafte Biografie“, „Biografischer Roman“ oder auch „Autofiktion“, wenn der Rahmen des Erlebten verändert wird, sei es um Persönlichkeitsrechte zu wahren oder eine Spannungskurve aufzubauen.  

    In der amerikanischen Heimat der beiden Schriftstellerinnen hingegen erfreut sich das Memoir großer Beliebtheit. 

    Was ist überhaupt ein Memoir?

    Ich befrage meinen neuen Besserwisser ChatGPT und bekomme folgende Antwort:

    Ein Memoir ist eine literarische Gattung, die eine autobiografische Erzählung darstellt, sich jedoch auf spezifische Ereignisse, Themen oder Zeitabschnitte im Leben des Autors konzentriert, anstatt dessen gesamte Lebensgeschichte zu erzählen.

    Im Gegensatz zur klassischen Autobiografie, die meist chronologisch und umfassend das Leben einer Person schildert, ist ein Memoir oft persönlicher, reflektierender und thematisch fokussiert. Es kann sich beispielsweise um eine prägende Erfahrung, eine besondere Beziehung oder eine bestimmte Lebensphase drehen.

    Typische Merkmale eines Memoirs:
    • Subjektive Perspektive: Der Autor erzählt aus seiner eigenen Sicht und reflektiert über Erfahrungen.
    • Fokus auf Emotionen und persönliche Erkenntnisse: Oft geht es weniger um Fakten als um individuelle Wahrnehmungen und innere Entwicklungen.
    • Erzählende, literarische Form: Viele Memoirs sind stilistisch wie Romane geschrieben und nutzen literarische Mittel wie Dialoge und szenische Darstellungen.

    Mit dieser Beschreibung finde ich mein Memoir „Trennung al dente – wie ich mich an etwas klammerte, das ich ohnehin nie hatte“ durchaus passend getroffen.

    Anderen Definitionen zufolge werden in einem Memoir außergewöhnliche Ereignisse geschildert. Dem würde ich weder in meinem Fall, noch in dem von Elisabeth Gilbert zustimmen. Millionen von Frauen erleiden Trennungen, entdecken und haben Affären, durchleben Scheidungen. In „Eat, Pray, Love“ liegt das Hauptaugenmerk zwar in der anschließenden Bewältigung des traumatischen Erlebnisses auf den Reisen durch Italien, Indien und Bali. Aber auch diese Reisen sind nicht unbedingt außergewöhnlich. Erst die Art und Weise, wie darüber geschrieben wird und vor allem der sehr persönliche Ausdruck machen das Buch zu etwas Außergewöhnlichem, sogar einzigartigem, denn die Autor:in, die das schreibt, ist schließlich die einzige, die das auf genau diese Weise empfunden hat und ausdrückt.

    Natürlich gibt es auch jede Menge Beispiele von Memoirs mit außergewöhnlichen Erlebnissen, aber das ist für mich nicht der wichtigste Grund für den Griff zu so einem Buch.

    Wo findet man ein Memoir bei den Verlagen und auf Amazon?

    Es geht die Mär, dass es für Autobiografien weitgehend unbekannter Menschen keinen Markt gebe. Daher werden sie in den Verlagsprogrammen auch versteckt, entweder als „erzählendes Sachbuch“, „Erfahrungsbuch“ oder „Schicksalsbericht“. Ein Exposé eines solchen Werkes an einen Verlag zu senden, könne man sich sparen. Genau aus diesem Grund wird mein Memoir „Trennung al dente – wie ich mich an etwas klammerte, das ich ohnehin nie hatte“ im Selbstverlag erscheinen.

    Ob es helfen würde, eine plausiblere Übersetzung des etwas sperrigen Begriffes „Memoir“ zu finden? Schließlich fehlen nur zwei kleine Buchstaben zu den „Memoiren“, die meist ein ganzes Leben umfassen und chronologisch geschrieben sind, oft auch in einem formelleren Stil und daher ein ganz anderes Publikum anziehen, als das emotionalere Memoir.

    Die Unsicherheit mit diesem Genre zeigt sich auch in den Buchcovern.

    Beim Bestseller „Educated“ von Tara Westover springt einem beim Vergleich von englischem und deutschem Cover bereits der Unterschied ins Auge. 

    Der Zusatz „A MEMOIR“ vom englischen Cover hat es nicht auf die deutsche Übersetzung „Befreit“ geschafft. 

    Auf dem Cover von „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt liest man immerhin den Versuch, das „A MEMOIR“ vom englischen Original „Angela`s ashes“ mit „Irische Erinnerungen“ zu übersetzen.

    Wie machen das die deutschsprachigen Memoir-Autoren? Im November 2024 erschien „Man kann auch in die Höhe fallen“ von Joachim Meyerhoff. Wie alle fünf Bände davor habe ich auch diesen verschlungen. Auf dem Cover steht einfach nur „Roman“, ohne Hinweis auf autobiografische Inhalte.

     Interessant finde ich bei dieser Reihe auch die Einsortierung in den Amazon-Kategorien:

    Die ersten beiden Teile waren noch unter „Mehr Kleintiere“ und „Romanhafte Biografien“ zu finden, die Bände drei und vier nur mehr unter „Romanhafte Biografien“ und „Biografische Romane“, der letzte unter „Konflikte“ und „Literarische Belletristik“.

    Tatsächlich habe ich auch ein Memoir einer deutschsprachigen Autorin gefunden, die das Genre prominent auf dem Cover platziert:

    Unter dem Titel „Schafft euch Schreibräume! Weibliches Schreiben auf den Spuren Virginia Woolfs“ von Judith Wolfsberger steht tatsächlich „Ein Memoir“.

    Wie werde ich das Problem lösen? Bald erscheint ja mein Buch „Trennung al dente – wie ich mich an etwas klammerte, das ich ohnehin nie hatte“. Was wird außer Titel und Autorin noch auf dem Cover stehen? Roman? Memoir? Oder einfach gar nichts? Und in welche Amazon-Kategorien wird es ein sortiert? Die Leserin in spe darf gespannt sein.

    Warum sollte man ein Memoir lesen?

    Kennt ihr das auch? Ich befinde mich in einem Umbruch. Die Situation ist neu für mich, wie gehe ich damit um? Wen kann ich fragen, mit wem mich austauschen, wer kann mir vielleicht helfen, wer hat ähnliches erlebt und mag seine Erfahrungen mit mir teilen? Niemand in meinem Bekanntenkreis ist gerade in dieser Lebenslage. Meinen Freundinnen gehe ich allmählich damit auf die Nerven, dass ich immer wieder die gleichen Überlegungen vor ihnen wiederkäue (auch wenn sie es niemals zugeben würden).

    Foren waren für mich früher eine beliebte Anlaufstelle in solchen Lebenslagen. Mir unbekannte Menschen schildern in groben Zügen ihre Erfahrungen und bekommen Kommentare von ebenso unbekannten Menschen. Ich postete selten etwas, verschlang aber gierig die Berichte der anderen. Um wieviel spannender ist es dann erst, die Erfahrungen einer Leidensgenossin in der ganzen Bandbreite zu lesen, mit Details, aus denen ich auf die Charaktere schließen kann und einer Handlung, mit der ich die Entwicklung der Personen miterleben kann? All das kann ich in einem Memoir lesen.

    Das ist für mich aber nicht der einzige Grund für diese Art von Lektüre. Als ich „Eat, Pray, Love“ zum ersten Mal gelesen habe, wäre ich selbst niemals auf den Gedanken gekommen, dass die Erfahrung einer Scheidung auch in mein Leben treten würde. Persönliche Schilderungen haben immer das Potenzial, uns in ihren Bann zu ziehen. Wir leiden, lieben und lachen mit der Protagonistin natürlich auch in fiktiven Werken, aber vom Hinweis „nach einer wahren Geschichte“ verspreche ich mir oft noch eine zusätzliche Prise Identifikation mit der Autorin.

  • Länger arbeiten im Alter – Gründe die dagegen sprechen

    Wie sollen wir den Spagat zwischen Altersdiskriminierung und demografischem Wandel schaffen?

    Ich schreibe in meinen Büchern ja über die Umbrüche im Leben. Kinder bekommen, Trennung, Scheidung – das sind Umbrüche, die einen betreffen können oder auch nicht. 

    In meiner Gratis-Kurzgeschichte nehme ich euch mit nach Ägypten, wo ich versucht habe, den Umbruch „Familiengründung“ mit einer Auswanderung zu kombinieren:

    Jetzt aber befinde ich mich in einem Umbruch, der ausnahmslos jeden früher oder später trifft. Ich werde alt. Anfangs habe ich versucht, diese Tatsache zu ignorieren und da mein Körper so freundlich war, mich dabei zu unterstützen, hat das auch eine Zeitlang gut funktioniert. Der gefürchtete 50iger ist an mir vorbei gerauscht wie jeder andere Geburtstag auch. Ein Lockdown hat mich vor einer großen Party bewahrt, die mich daran hätte erinnern können. Ein wenig traurig war ich nur, weil ich die für den Tag geplante Besteigung des Großglockners auf das nächste Jahr verschieben musste. Da konnte ich mir das Geschenk dann tatsächlich machen, mein Körper war in der Form meines Lebens und mein Geburtsdatum eine völlig irrelevante Zahl.  Irgendwann fing es dann an. Ein Ziepen hier, ein Zwacken da. Schulter, Knie, Rücken, alles nicht mehr neu. Jetzt könnte man sagen, selber schuld, wenn ich meinen Körper so über Gebühr beanspruche und ich jammere auf hohem Niveau. Aber mit Rücken-, Schulter- und Knie-Beschwerden bin leider ich bester Gesellschaft auch mit nicht-sportelnden Menschen.

    Die Arbeitnehmer leiden mit zunehmendem Alter

    Der menschliche Körper ist einfach nicht dafür gebaut, 8 Stunden am Tag zu sitzen. Mit Mittagessen sowie An- und Abreise kommen gern mal 10 Stunden zusammen. Zwischendurch steht man auf, um zum Drucker zu gehen (eine im digitalisierten Büro zunehmend aussterbende Tätigkeit), die Toilette aufzusuchen (hier wäre eine Blasenschwäche von Vorteil für eine Häufung dieser Notwendigkeit), Kaffee zu holen (was wenigstens wieder harntreibend ist) oder zu einem Meeting zu gehen. Wo man dann auch wieder sitzt. Vielleicht würde bei einem Meeting im Gehen oder Stehen manchmal auch etwas mehr Bewegung in die Sache kommen.

    Einen großen gesundheitlichen Vorteil bietet hier – man würde es nicht glauben – das Rauchen. Die Raucher halten ihre Pausen oft penibler ein als ihre nicht-rauchenden Kollegen und sie stehen dabei. Leider kommt es meist nicht gut an, sich als Passiv-Raucher daneben zu stellen. Und welcher Nichtraucher stellt sich einfach so in den Hinterhof?

    Auch das verkrampfte Festhalten einer Maus über den ganzen Tag hinweg wird manchmal von der Schulter mit chronischen Schmerzen beantwortet (Ich habe mich zum Maus-Linkshänder umgeschult, die Abwechslung soll auch gut fürs Gehirn sein).

    Ein junger Köper steckt all das locker weg, man fläzt sich lässig in den Bürostuhl ohne es am Abend büßen zu müssen. 

    Das ist jetzt alles aus meiner Sicht der Schreibtischtäter geschildert. In meinem Bekanntenkreis finden sich allerdings auch bei Handwerkern körperliche Beschwerden mit zunehmenden Alter durch einseitige Tätigkeiten.

    Die Arbeitgeber leiden auch unter der Situation

    Mit steigendem Alter verlangen die Arbeitnehmer mehr und mehr nach seltsamen Dingen. Sitz-Auflagen oder sogar besondere Sessel, ergonomische Mäuse oder Tastaturen. Und in letzter Zeit gibt es sogar die ganz unverschämten, die einen höhenverstellbaren Schreibtisch fordern! Natürlich ist das alles mit Kosten verbunden, die eher bei älteren Mitarbeitern anfallen, die Jungen haben meist andere Prioritäten. Diese Ausgaben sind aber noch verschwindend gering im Gegensatz zu jenen, die einem beim Blick in die Krankenstands-Statistik ins Auge springen: In Österreich steigt die durchschnittliche Zahl an Krankenstands-Tagen pro erwerbstätiger Person von 13,5 Tagen in der Altersgruppe 35 – 49 Jahre auf 20,4 Tage in der Altersgruppe 50 bis 64 Jahre. Welcher Arbeitgeber würde einem einfach so mehr als eine zusätzliche Urlaubswoche schenken? Aus meiner eigenen kleinen Statistik mit der unzureichenden Stichprobenanzahl von n = 1 muss ich das leider bestätigen. Man fährt auf Reha oder Kur, um in drei Wochen die Beschwerden zu mildern, die sich in Jahrzehnten angesammelt haben. Leider ein oft unbefriedigendes Unterfangen für beide Seiten. Der Arbeitgeber muss einen dreiwöchigen Ausfall abfedern, der nachhaltige Erfolg tritt nicht immer ein. Und vielleicht bin ich ja ein Schelm, der Böses denkt, aber so ganz leicht beschlich mich bei meiner Kur der Verdacht, dass sich vielleicht der eine oder andere „Sport-Tourist“ unter die Leidenden mischt.

    Leider gibt es neben den orthopädischen Beschwerden aber auch die ganz schlimmen Krankenheiten. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung steigt mit dem Alter. Ich jammere also mit meinen Beschwerden wieder einmal auf hohem Niveau.

    War zuerst die Henne oder das Ei?

    Ein erstaunliches Detail der Krankenstands-Statistik fällt noch ins Auge:

    In der Altersgruppe 65 Jahre und älter sinkt die durchschnittliche Krankenstandsdauer wieder von 20,4 auf 16,4 Tage. Wird man mit zunehmendem Alter wieder gesünder, sodass man plötzlich wieder fast eine Woche mehr pro Jahr arbeiten kann? Das ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Bis einem bewusst wird, dass das Regelpensionsalter derzeit bei 65 Jahren liegt und danach nur noch Menschen arbeiten, die das wirklich gerne tun (oder für die die Pension nicht reicht).

    Vielleicht ist ersteres auch ein Schlüssel zur Lösung des Problems? Wenn wir gerne arbeiten, werden wir weniger krank. Auch das kann ich aus meiner kleinen Statistik bestätigen. Und hier sind in erster Linie die Arbeitgeber gefordert. Ich halte eine sinnstiftende Tätigkeit, das Gefühl mitbestimmen zu können, (noch) Teil einer Gruppe zu sein für wesentlich wichtiger als ergonomische Sitzkissen. Letztere habe ich mir selbst gekauft, genauso wie einen höhenverstellbaren Schreibtisch-Aufsatz fürs Büro. Natürlich hätte ich die Bezahlung dieser Dinge als einen Akt der Wertschätzung empfunden, aber noch mehr Wertschätzung wünsche ich mir für meine Tätigkeit.

    Leider bin ich mit meinen Problemen wieder einmal nicht allein. In meinem Bekanntenkreis finden sich zahlreiche Angestellte, die aufs Abstellgleis verschoben und/oder von einer Leiterposition zum Untergebenen des neuen, jüngeren Leiters degradiert wurden. An diesem Brocken kaut und schluckt man lange, manchmal kann man ihn gar nicht ganz hinunterwürgen und das Kauen und Schlucken kann auch krank machen. Man beginnt die Tage bis zur Pensionierung zu zählen (oder Wochen oder Monate oder Jahre, je nachdem wann einen die Altersdiskriminierung trifft). Im Wartesaal des Lebens verweilen, bis man den letzten Raum betreten darf?

    Die Arbeitgeber mögen keine älteren Arbeitnehmer, weil sie so oft krank sind und die Arbeitnehmer sind so oft krank, weil sie nicht gemocht werden – wie findet man den Ausweg aus diesem Kreislauf?

    Natürlich ist das stark vereinfacht und es gibt zahlreiche andere Gründe für die Krankenstände, die auch den bis dahin glücklichsten Arbeitnehmer betreffen können, aber ich denke eine Diskussion über die Art und Weise, wie wir das Arbeiten im Alter gestalten, ist dringend erforderlich.

  • Herzschmerz, Trennung und Seitensprung: 5 Bücher, die mir geholfen haben

    Herzschmerz, Trennung und Seitensprung: 5 Bücher, die mir geholfen haben

    Manchmal beginnt es mit einem Seitensprung. Ein Seitensprung muss ja nicht zwangsläufig zu einer Trennung führen. Trotzdem ist er mit enormem Schmerz verbunden, egal wie die Geschichte sich entwickelt. In meinem Fall war ich auf der Suche nach Hilfe, damit die Geschichte sich möglichst in die richtige Richtung entwickelt. Aber was ist überhaupt die richtige Richtung? Im Orkan der Gefühle konnte ich das unmöglich ausmachen, ich brauchte einen Kompass. 

    Die Ratschläge eines Eheberaters waren mehr als skurril, wie ich fand. Trotzdem versuchte ich sie zu befolgen, obwohl sie mich teilweise an meine Grenzen brachten. In meinem Buch „Trennung al dente“ habe ich die Ratlosigkeit in der dieser stürmischen Zeit verarbeitet. Mehr über mein Buch könnt ihr hier erfahren:

    Auch in Ratgeber-Literatur suche ich immer wieder nach Hilfe. Daher möchte ich hier eine kleine Auswahl dazu geben. Zu aller erst möchte ich festhalten, dass es sich hier keineswegs um Rezensionen im herkömmlichen Sinn handelt. Ich schreibe nur auf, was ich in meiner Situation für mich daraus mit nehmen konnte. Oder eben auch nicht. Würde ich heute diese Bücher lesen, würde ich völlig andere Schlüsse daraus ziehen. Und vielleicht wäre das keine schlecht Idee. Zumindest bei der Nummer eins:

    Mathias Jung „Außen Beziehung“

    2. Auflage 2005, emu Verlag, ISBN 3-89189-095-8

    Dieses Buch sollte man eigentlich vorbeugend lesen. Aber wer würde so etwas schon machen? Kurz nachdem ich die Affäre meines Mannes entdeckt hatte, fiel es mir schwer, mich auf den Inhalt einzulassen. Viel zu sehr war ich in meiner schwarz-weißen Welt gefangen mit dem Untreuen als Schuldigen und dem Betrogenen als Opfer. Dieses Buch geht sehr viel tiefer an die Wurzeln und Ursachen der Eheprobleme. Aufgelockert wird das ganze durch zahlreiche Zitate und Karikaturen. Vielleicht sollte ich es jetzt noch einmal lesen, quasi prophylaktisch.

    Hans Jellouschek „Warum hast du mir das angetan?“

    12. Auflage 2011, PIPER, ISBN 978-3-492-23892-2

    Dieser Titel spiegelte schon sehr viel mehr meine damalige Gefühlslage und meine Geisteshaltung wieder. Wie konnte er mir das nur antun. Im Klappentext wird vom Schock geschrieben, den der Betrogene erlebt. Trotzdem müsse das nicht der Tod der Beziehung sein. Diese Aussicht verlockte mich zum Kauf. 

    Im Buch werden die Dreiecksgeschichten dreier Paare beschrieben. Auch das ist für mich meist hilfreicher als nur graue Theorie. Ich habe mir viele Stellen im Buch markiert. Und hätten wir den einen oder anderen Ratschlag befolgt, hätten wir uns vielleicht die eine oder andere Schleife sparen können. Zwischen Wissen und Tun liegen eben immer noch Welten. Aber immerhin war dieses Buch eine Hilfe um zu verstehen, was da gerade mit uns passiert. Sollte ich noch einmal in diese Lebenslage geraten, werde ich es auf alle Fälle wieder lesen. Und dabei feststellen, ob dabei die gleichen Stellen markierenswert erscheinen wie beim ersten Mal. 

    Andrew G. Marshall „Kann ich dir jemals wieder vertrauen? So bewältigen Sie den Seitensprung ihres Partners“

    1. Auflage 2011, Goldmann, ISBN 978-3-442-17228-3

    Bei diesem Buch war ich gedanklich schon einen Schritt weiter. Ich wollte die Beziehung retten und fragte mich, ob ich wieder vertrauen könne. Aus dem Buch erhoffte ich mir nicht nur die Beantwortung der Frage, sondern auch ein Kochrezept, wie das gelingen könne. Im Buch werden die sieben Phasen beschrieben, die Paare von der Aufdeckung der Affäre bis zum Neuanfang durchlaufen. Ich fühlte mich durch den Schreibstil und die Schilderung der Beispiel-Paare durchaus abgeholt.  Auch in diesem Exemplar von mir finden sich zahlreiche Unterstreichungen und ich versuchte, Tipps zu befolgen. Die Sache hatte nur einen Haken. An der Umsetzung müssen beide Partner gemeinsam arbeiten. In der vierten Phase „Hoffnung“ sind wir grandios gescheitert an der Frage, wie der Kontakt zur verflossenen Affäre zu handhaben ist. In „Trennung al dente“ könnt ihr auch dieses Scheitern verfolgen.

    Sollte ich wieder in diese Lebenslage gelangen, werde ich es meinen Partner lesen lassen als Anleitung, wie er mein Vertrauen wieder gewinnen kann. Wenn er das entweder ablehnt oder nicht auf die Reihe kriegt, weiß ich, dass ich die Frage aus dem Titel mit „NEIN“ beantworten kann.

    Elena-Katharina Sohn “Goodbye Herzschmerz- eine Anleitung zum Wieder-Glücklichsein“

    Ullstein 2016, ISBN 978-3-8437-1213-2

    Das ist so ein wunderbares Buch! Ich fühlte mich nicht nur abgeholt, sondern stellenweise auch an der Hand genommen und manchmal sogar umarmt von den liebevollen Worten. Wie der Titel schon sagt, geht es hier nicht nur um den klassischen Liebeskummer der Verlassenen. Es gibt viele Spielarten davon und jede Art von Herzschmerz hat seine Berechtigung, auch wenn man sich das manchmal nicht zugestehen mag. Man kann sich schließlich nicht „verfühlen“.

    Obwohl ich mich natürlich auch wieder nicht manche Ratschläge gehalten habe. Die Frage „soll ich mich bei einer Dating-Börse anmelden“ wird definitiv mit NEIN beantwortet. Wie ihr in meinem Buch lesen könnt, war meine gegenteilige Strategie nicht sehr erfolgreich. 

    Ich hoffe zwar, dass ich nicht mehr in diese Lage geraten werde, aber wenn, weiß ich wenigstens, was ich als erstes lesen werde.

    Jos Willems, Birgit Appeldoorn, Maaike Goyens „Als Paar getrennt, als Eltern zusammen. Wie eine gemeinsame Erziehung nach der Trennung gelingt.“

    Patmos Verlag 2015, ISBN 978-3-8436-0573-1

    Dieses Buch betrifft den aus meiner Sicht hässlichsten Aspekt der Trennung. Die Folgen für die gemeinsamen Kinder. Für mich war das Auseinanderbrechen der Familie am Anfang meiner Trennungsgeschichte so unvorstellbar, dass ich dachte, alles ertragen zu müssen, um diese Familie aufrecht erhalten zu können. Das beinhaltet schon zwei Denkfehler. Erstens liegt es nicht immer in der Macht des Einzelnen. Wenn der Partner geht, dann tut der das. Zweitens ist ein verkrampftes Zusammenbleiben nicht zwangsläufig das beste für die Kinder, auch wenn ich das lange Zeit glaubte. 

    Dieses Buch kann eine gute Hilfestellung sein auf der Suche nach dem besten Weg für alle Beteiligten. Auch hier helfen zahlreiche Beispiele dabei, die Perspektive zu wechseln und das ganze auch mal aus Sicht der Kinder zu sehen, anstatt in eigenen Glaubenssätzen gefangen zu bleiben.

  • Herzschmerz, Trennung, Seitensprung: diese 5 Strategien haben mir geholfen

    Jeder Mensch ist anders. Jede Beziehung ist anders. Jede Trennung ist anders. Daher gibt es keine allgemein gültigen Tipps gegen Trennungsschmerz. Was dem einen hilft, kann für den anderen die Qual verstärken. Jeder muss für sich selbst den passenden Weg finden. Hier findet ihr Strategien, die mir geholfen haben und vielleicht ist ja was für euch dabei

    1. Schreiben

    Welch Überraschung. Wenn ich hier schon einen Blog schreibe, so wird mir das ja wohl einigermaßen Spass machen. Und was Spass macht, ist immer gut, auch und besonders, wenn es einem nicht so gut geht. Schreiben ist für mich Balsam für die Seele in so gut wie jeder Lebenslage. Schon als Teenager habe ich meine Gedanken in einem Tagebuch schweifen lassen, damals noch auf Papier, an dessen Rand sich viele Herzchen fanden, manche auch mit einem Sprung oder von einem Pfeil durchbohrt. Da ich nicht gern mit der Hand schreibe (und das nachher auch nicht mehr lesen kann), schreibe ich mein Tagebuch jetzt am Laptop. Manchmal sogar am Handy mit einer externen USB-Tastatur, wenn ich im Bus schreibe. Durch Schreiben kann ich mich an einen anderen Ort beamen, wenn mir der gegenwärtige grad nicht behagt. Was im Bus öfter mal der Fall ist.

    Auch während meiner Trennung und Scheidung habe ich Tagebuch geschrieben. Das ist war an den Anfängen dieser Ereignisse dermaßen schmerzerfüllt, dass ich es nicht als Basis für mein Buch „Trennung al dente“ benutzen mochte.  Ich wollte es nicht einmal mehr lesen. Viel zu traurig. Statt dessen habe ich die Trennung aus der Sicht meines heutigen Ich beschrieben. Hier kannst du mehr über das Buch erfahren, in dem ich die Geschichte meiner Trennung beschreibe:

    2. Lesen

    Das ist schon etwas schwieriger als Schreiben. Mit spannenden Geschichten kann ich mich zwar auch an einen anderen Ort und in eine andere Zeit beamen, aber dafür brauche ich das Geschriebene als Transportmittel. Während meiner Trennung fiel es mir schwer, jegliche Art von Liebesgeschichte zu ertragen. Das engte die Auswahl enorm ein. Zurück blieben Krimis, die ich vorher eigentlich nicht so mochte. Die Vorliebe habe ich aus dieser Zeit beibehalten.

    Was ich aber in herausfordernden Zeiten gerne lese, sind Ratgeber aller Art. Manche lese ich zu Ende, andere nicht. Manche befolge ich sogar. Zumindest teilweise. Eine Auswahl der Ratgeber, die mir geholfen haben, findet ihr hier: Herzschmerz, Trennung und Seitensprung: 5 Bücher, die mir geholfen haben. 

    Am Anfang meiner Trennungsgeschichte wußte ich ja noch nicht, ob mir wirklich eine Trennung bevorsteht, oder ich „nur“ einen Seitensprung zu bewältigen habe.

    Noch lieber als Ratgeber lese ich aber persönliche Geschichten, um zu erfahren, wie es anderen dabei ergangen ist. Erstaunlicherweise habe ich  nicht viele dazu gefunden. Obwohl es ja eigentlich statistisch gesehen fast die Hälfte der Frauen betreffen sollte. Unter anderem deswegen musste ich meine Trennungsgeschichte aufschreiben. Man soll ja das Buch schreiben, das man selber gerne lesen würde.

    3. Austausch

    Zuerst wollte ich hier „Freunde“ schreiben, aber das stimmt für mich persönlich nur bedingt. Erstens hatte ich am Anfang meiner Trennungsgeschichte kaum welche – vielleicht gibt es ja auch andere Frauen, die während einer langjährigen Beziehung ihre Freundschaften vernachlässigten. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Frauen diesbezüglich klüger sind als ich. Das Zusammensein mit Pärchen ist für mich als Frisch-Getrennte auch nicht unbedingt hilfreich. Manchmal hat man das Glück (für die Freundin ist es dann allerdings Pech), eine Freundin in ähnlicher Lebenslage zu haben. Dann kann man stundenlang zusammen die Gedanken und Handlungsstränge sezieren und gemeinsam nach Bewältigungsstrategien suchen. 

    Was mir besonders hilft, ist eine Mischung aus Schreiben und Lesen. Ich liebe Foren. Für jede Lebenslage finde ich Foren mit Gleichgesinnten, während ich meist nicht für jede Lebenslage Freunde mit genau den gleichen Problemen habe. Dort liest man Geschichten, die zumindest zum Teil der eigenen ähneln und das Gefühl „ich bin nicht allein“ kann ein sehr heilsames sein. Die eigene Geschichte dort zu teilen, kann auch sehr heilsam sein. Und meist findet man sogar Zuspruch oder Tipps dafür. Foren sind für mich die ideale Kombination aus Lesen und schreiben.

    Wenn ihr das auch so seht, dann soll mein Buch „Trennung al dente“ auch so etwas wie ein Forum für euch sein. Ihr könnt meine Geschichte lesen und ich freue mich, wenn ihr eure Sichtweisen oder Erlebnisse dazu mit mir teilt.

    4. Neues

    Nach so viel Bauchnabelschau mit Schreiben, Lesen und Austausch über das Vergangene ist es Zeit, den Blick nach vorne zu richten. Manchmal reichen für mich hier schon Kleinigkeiten. Ich mache andere Dinge als mit meinem Ex-Partner oder ich mache Dinge anders als mit meinem Ex-Partner. Da mein Mann immer strikt gegen die Anschaffung eines Haustieres war, ist in der Woche nach seinem Auszug unser Kater Simba eingezogen. Dieses neue Familienmitglied brachte viele Veränderungen des Alltags und viele neue Erlebnisse mit sich. Natürlich kann oder möchte sich nicht jede und jeder ein Haustier zulegen. Auch der oft zitierte und trivial klingende Rat eines neues Hobbys kann zumindest zeitweise beinahe Wunder wirken. Beim Klettern muss ich mich komplett auf den nächsten Zug fokussieren, alles andere ist ausgeschaltet. Das gleiche gilt für Musik. Und bei manchen Hobbys kann man auch neue Menschen kennen lernen.

    Manchmal haben mich auch ganz triviale Veränderungen mit Genugtuung erfüllt. Zum Beispiel wenn ich die Markise über Nacht unten lasse, während mein Mann immer penibel darauf bestanden hat, dass sie am Abend hochgekurbelt wird. Oder den Geschirrspüler auch mal eingeschaltet habe, bevor er komplett überladen war. Ich hatte auch mit den Gedanken an eine neue Wohnung gespielt, aber da hab ich mich den Wünschen der Kinder gefügt. Jede Trennung ist unterschiedlich und birgt unterschiedliche Möglichkeiten, für sich Neues zu entdecken.

    5. Ziele

    Das ergibt sich manchmal aus dem Neuen, steht für mich aber in einem größeren Kontext. Meine Seele mag es, wenn ich mir Ziele setze, auf die ich hinarbeite und die ich dann auch erreiche. Nach einer Trennung sind es vorzugsweise Ziele, die mit dem Partner nicht möglich waren, oder wo ich mich gegen seine Wünsch hätte durchsetzen müssen.

    Die Besteigung eines bestimmten Berges ist für mich so ein Ziel. Ich arbeite monatelang an meiner Kondition, um das Ziel zu erreichen. Oder eine bestimmte Reise mit aufwändiger Planung und Vorbereitung. Nach meinen Trennungen habe ich mir meist eine Liste gemacht mit fünf Dingen, die ich erreichen möchte und auch den Zeitpunkt dazugeschrieben, wann ich es spätestens erreicht haben möchte. Dazu gehörte bei mir zum Beispiel auch „Freunde zu Essen einladen“, was für andere ein ganz alltäglicher und trivialer Vorgang sein mag. Jeder Mensch ist anders und somit sind auch seine Ziele anders.