Kategorie: Beziehungsleben

  • Trennung nach dem Urlaub

    Die Vorgeschichte

    SIE

    Eigentlich beginnt es schon lange davor. Du freust dich auf deinen Jahresurlaub. Er soll dich entschädigen für all den Stress und die Entbehrungen in deinem Leben. Im Urlaub soll es dir einmal so richtig gut gehen. Alles soll perfekt sein. Deswegen muss er optimal geplant werden. Das Hotel liegt direkt am Meer, natürlich. Du wirst auf dem Balkon sitzen und den Sonnenuntergang genießen. 

    Endlich wirst du deinen Bewegungsdrang ausleben können, den du im Alltag so oft unterdrücken musst. Du sitzt im Büro, am Hin- und Heimweg im Auto. Während dein anderes Ich auf dem Rennrad durch die Gegend flitzt. Aber halt leider nur in Gedanken, im Herzen. Das wird im Urlaub anders sein. Du wirst endlich wieder einmal das Gefühl auskosten, vollkommen ausgepowert zu sein und guten Gewissens einen Teller voller Pasta zu verschlingen.

    Vielleicht probierst du auch eine neue Sportart aus – wie wäre es mit Wellenreiten? Nach so viel ungewohnter Anstrengung für deinen Körper gönnst du ihm auch mal ein wenig Auszeit in der Sauna, vielleicht sogar eine Massage.

    Die Kinder werden inzwischen bestens unterhalten und gefördert, knüpfen neue Freundschaften beim Fußball-Spielen oder Töpfern. Abends erzählt dann beim gemeinsamen Essen jeder von seinen Erlebnissen. Wenn die Kinder im Bett sind, wirst du noch mit deinem Partner auf der Hotelterrasse das Tanzbein schwingen. Vielleicht werdet ihr auch einmal zu zweit das Candlelight-Dinner genießen, während die Kinder mit den Betreuern im Miniclub essen. Das wird der perfekte Urlaub. Nichts einkaufen, nichts kochen, nicht kümmern müssen. Einfach nur leben, sein, genießen.

    Diese Stecknadel im Heuhaufen ist natürlich nicht unbedingt einfach zu finden. Deswegen bereitest du dich akribisch auf den Urlaub vor. Und selbstverständlich gehst du davon aus, dass dein Partner auch diese Wünsche hegt. Deswegen braucht man erst gar nicht darüber zu sprechen. Ist ja wohl logisch. Wer sollte nicht so einen perfekten Ausgleich zum Alltag anstreben. Um all diese Wünsch erfüllt zu bekommen, braucht es schon fast eine eierlegende Wollmilchsau. Oder einen Cluburlaub. 

    Ganz feine Antennen irgendwo an einem Ort in deinem Kopf, wo bruchstückhafte Erinnerungen an eure Zeit als kinderloses Paar vor sich hindümpeln, beginnen zu schwingen. An die Zeit, wo ihr euch und eure Vorlieben kennen gelernt habt. Was für Musik hörst du gerne? Welche Filme gefallen dir besonders gut? Wohin möchtest du reisen? Was machst du gerne im Urlaub? Liegt in diesem Areal irgendwo die nicht unerhebliche Information, dass dein Mann keinen Cluburlaub mag? 

    Aber das war in einem anderen Leben, das zählt nicht. Sicherlich sieht er das jetzt ganz anders. Er will doch auch ausspannen, den beruflichen Stress los lassen, sich nicht um die Kinder kümmern müssen. Sollst du ihn fragen oder ihn einfach mit einer Buchung überraschen? Er freut sich doch immer, wenn du die Anforderungen des Alltags erledigst, ohne ihn damit zu belästigen. Wenn du ganz ehrlich zu dir wärst, müsstest du dir jetzt eingestehen, dass du Angst vor der Diskussion hast. Angst, deine Wünsch verteidigen, vielleicht sogar Kompromisse eingehen zu müssen. Nein, da machst du deinem Mann lieber eine Freude und erledigst das lästige Urlaub-Buchen für ihn. 

    ER

    Wie sehr ich mich auf den Urlaub freue. Endlich den ganzen Stress abfallen lassen. Mich auf mich selbst besinnen, meine Frau, meine Familie. Dem Lärm des Alltags entfliehen, Ruhe und Stille finden. Naja, in dem Rahmen, in dem das mit zwei Kindern halt möglich ist. Aber ihnen wird ein wenig Abstand auch gut tun. Mir schwebt für heuer etwas ganz Besonderes vor. Das war schon lange mein Wunsch. Heuer werden wir es realisieren, jetzt sind die Kinder groß genug. Wir werden auf einer Almhütte wohnen. Wir werden Wanderungen machen, auf Berge steigen, die Kinder werden die Natur kennen und lieben lernen. Ich werde sicher den perfekten Ort dafür finden. Vielleicht gibt es in der Nähe einen kleinen Bergsee, in dem sich kurz abkühlen kann. Wir werden als Familie so richtig zusammen wachsen durch die gemeinsam erlebten Abenteuer. Am Lagerfeuer werden wir Stockbrot grillen und nachts auf einer Hängematte die Sternschnuppen bewundern. Das wird ein Funkeln und Leuchten sein weit abseits der Lichtverschmutzung. Falls es einmal regnen sollte, werden wir gemeinsam spielen, lesen oder malen, es wird unsere Kreativität wecken. Ich werde Holz hacken für das Feuer, das einfache Leben wird uns eine tiefe Verbundenheit zur Natur spüren lassen und zueinander, nicht nur während des Urlaubs, sondern auch noch danach. Dieser Urlaub wird uns als Paar und als Familie verändern, zusammenwachsen lassen. 

    Ob ich mal mit meiner Frau darüber rede? Lieber nicht, sie hat ja ohnehin so viel um die Ohren. Obwohl wir beide berufstätig sind, kümmert sie sich ehrlicherweise mehr um die Kinder als ich. Bis auf die zwei Wochen Familienurlaub taktet sie die ganzen Ferien durch. Zeit bei den Großeltern, Sport-Camps, Sommer-Betreuung. Wirklich toll macht sie das. Da kann ich ihr wenigstens einmal die Urlaubsplanung abnehmen. Sie wird sich sehr darüber freuen. Schließlich redet sie immer davon, wie gern sie mal ausspannen möchte. Das kann man in so einer Hütte ja wirklich ganz besonders gut. Und wie sehr ihr der Sport fehlt. Sie wird das Wandern lieben. Vielleicht sollte es Forstwege geben in der Umgebung. Dann könnten wir die Mountain-Bikes mitnehmen. 

    Das wird nicht unbedingt einfach werden, die perfekte Hütte zu finden. Am besten fange ich gleich mal damit an. Zuerst mit meiner Frau zu reden, würde das ja außerdem viel zu sehr verzögern. Bis wir endlich mal Zeit finden für ein ausführliches, ruhiges Gespräch, sind die besten Objekte sicher schon vergeben. Und außerdem kann ich sie endlich mal überraschen mit einer positiven Aktion, einem richtig aufwändigen Beitrag von mir. Wo sie sich ohnehin oft über ihren Mental Load beschwert. Vielleicht nicht ganz zu unrecht, aber dafür verdiene ich mehr Geld. Und das wird uns jetzt einen unvergesslichen Sommerurlaub ermöglichen.

    In meinem Roman „Trennung al dente“ gibt es auch eine Trennung nach dem Urlaub. Allerdings und völlig anderen Vorraussetzungen. 

  • Ist Polyamorie erlaubt?

    Dein Atem beruhigt sich langsam wieder. Tief in dir verspürst du ein angenehmes Kribblen. Das Oxytocin rauscht durch deine Blutbahnen und kitzelt deine Rezeptoren, die sich mit diesem Mann verbinden wollen. Du bist dir ganz sicher. Das ist der Mann deines Lebens. Was für ein Jammer, dass der erst jetzt aufgetaucht ist. Denn jetzt wartet zu Hause ein Anderer. Der vorher der Mann deines Lebens war. Oder es auf eine gewisse Weise auch noch immer ist. Den du auch nicht verlieren möchtest. Aber an den du jetzt nicht denken willst. Denn du bist im viel gepriesenen Hier und Jetzt und möchtest deinen Hormonrausch genießen.

    Aber es ist mehr als das. Der Mann, der jetzt gerade an deiner Seite ist, aber nicht als der offizielle Mann an deiner Seite gilt, beflügelt nicht nur dein körperliches Empfinden sondern streichelt auch deine Seele. Du willst mehr als diese gelegentlichen Treffen. Du willst mit ihm zusammen sein. Ganz offiziell. Schon seit einiger Zeit drückt diese Entscheidung wie eine Last, die du ständig mit dir herumtragen musst, niemals absetzen kannst. Wenn du hier bist, scheint es sonnenklar und ganz einfach. Wenn es sich so gut anfühlt, kann es doch nicht falsch sein? 

    Dann gehst du nach Hause. In dein anderes Zuhause. Denn auch diese Wohnung fühlt sich an wie ein Zuhause für dein Herz und für deine Seele. 

    Im anderen Zuhause empfängt dich Vertrautheit und Wärme. Gemeinsame Vergangenheit, gemeinsame Zukunftspläne, Intellektuelle Stimulation. Schon gerät deine Entscheidung wieder ins Wanken. Das alles aufzugeben kann doch auch nicht richtig sein? Musst du überhaupt eine Entscheidung treffen? Natürlich musst du das, wenn du nicht mehr irgendwelche fadenscheinigen Ausreden erfinden willst, um diesen Mann zu treffen. Aber musst du dich wirklich zwischen den beiden Männern entscheiden?

    Du bist schon seit vielen Jahren mit deinem Mann verheiratet und die tiefen Gespräche wurden manchmal mit großer Offenheit geführt. Gemeinsam seid ihr durch Höhen und Tiefen gegangen. Seine Affäre war eine Zerreißprobe für eure Ehe und auch für deine Seele. Sogar die Möglichkeit einer Offenen Beziehung habt ihr in Betracht gezogen. Du konntest dir ein Leben ohne diesen Mann schwer vorstellen, wolltest ihn und den Traum von der gemeinsamen Zukunft nicht loslassen. Er hat dir versichert, dass seine Außenbeziehung ausschließlich sexueller Natur sei. Du bist seine große Liebe und daran würde sich auch nichts ändern, wenn er ab und zu seine körperlichen Bedürfnisse außer Haus auslebte. Andere Paare gehen schließlich in Swinger Clubs. Eine fein säuberliche Trennung von Herz und Körper erschien dir zumindest theoretisch möglich.  Auch wenn es in der Praxis manchmal schwer zu ertragen war. 

    Und irgendwann war es dann vorbei. Ein paar Narben sind zurück geblieben, aber welches Herz bleibt schon davor verschont im Laufe eines Lebens? Es nicht zu verschenken, wäre vielleicht eine Möglichkeit,  um es vor Verletzungen zu bewahren, aber das führte zu einer anderen Art von Kummer. Also hast du deine Wunden gepflegt und von deinem Mann pflegen lassen, bis sie zu Narben verheilt sind, die im weiteren Beziehungsleben kaum stören. Nur wenn man sie ganz manchmal an einer ganz bestimmten Stelle trifft. 

    Und jetzt das. Du willst nicht länger lügen. Aber mit einer Offenen Beziehung wäre das Problem nicht gelöst. Wenn behauptest, deine Außenbeziehung wäre nur sexueller Natur, würdest du weiterhin lügen. Es wäre eine andere Art von Lügen als die Erfindung von abendlichen Meetings und mehrtägigen Dienstreisen. Aber du würdest deinen Geliebten und dich selbst verraten mit dieser Behauptung. Dein Mann hat das bereits erlebt, also kannst du vielleicht auf Verständnis hoffen. Aber du möchtest gerne ein Leben in Wahrheit führen. Und die Wahrheit ist: du liebst zwei Männer. Niemals hättest du das für möglich gehalten. Du warst überzeugt vom Grundsatz „Wenn in der Beziehung alles in Ordnung ist, kann man sich nicht fremdverlieben.“ Das ist die Gefahr von festen Überzeugungen. Das Leben belehrt einen manchmal eines Besseren. 

    Du hast da einmal diesen Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Menschen führen eine Liebesbeziehung zu mehr als einem Menschen. Polyamorie. Aber das war noch in deiner alten Vorstellungswelt. Du dachtest, das sei nur ein anderer Ausdruck für „offene Beziehung“. Einen Menschen hat man für die seelischen und einen für die körperlichen Bedürfnisse und beide wissen voneinander und alle respektieren dieses Arrangement. Aber zwei Menschen gleichzeitig zu lieben? Welcher ist dann der Haupt-Partner und welcher der Neben-Partner? Kann das wirklich funktionieren? Wie fühlt sich ein Mensch, wenn er weiß, dass er die Liebe seines Partners teilen muss? Kann es eine Liebe ohne Eifersucht überhaupt geben? Es heißt doch, ein gewisses Maß ein Eifersucht sei sogar gesund für die Beziehung. Wo soll der Platz für diese „gesunde Eifersucht“ in dieser Beziehungsform sein? Oder ist die Monogamie nur gesellschaftlich antrainiert und wenn wir diese Fesseln sprengen, können wir ein Leben in der Fülle der Liebe führen?

    Vielleicht ist es in einer queeren Beziehung einfacher? Wenn ein Mann nicht gegen einen anderen Mann „verloren“ hat, sondern gegen eine Frau, vielleicht kommt er damit denn besser damit zurecht?

    Und wie soll das in der Praxis aussehen? Wohnen alle Mitglieder dieser Liebesgemeinschaft unter einem Dach? Das hätte zumindest schon mal den Vorteil, dass die häuslichen Pflichten verteilt werden können. Verbringt man die Nach einmal beim einen und einmal beim anderen? Dafür bräuchte man sehr schalldichte Wände, denn man möchte doch kaum akustisch dem Liebesspiel seines Partners mit dem Zweit-Partner beiwohnen. Oder bedeutet Polyamorie auch gemeinsames Liebesspiel? 

    Ein wesentlicher Knackpunkt ist wohl auch die Bewertung durch die Gesellschaft. Wie wird es von Nachbarn, Kollegen, sogar dem Freundeskreis aufgenommen? „Was die Leute sagen“ ist uns nicht wirklich egal, auch wenn die Bedeutung des Individuums im Gegensatz zur Gemeinschaft in unserem Kulturkreis immer mehr zunimmt, tragen die meisten von uns tief in uns wohl doch den Wunsch nach Zugehörigkeit. 

    Trotz gesellschaftlicher Ächtung ist es nicht verboten, zwei Menschen gleichzeitig zu lieben. Man kann halt nur mit einem davon verheiratet sein. Der bekommt dann Auskunft im Krankenhaus, darf die Post abholen und erbt das Vermögen. Aber niemand kann dir verbieten, zwei Männer zu lieben. 

    Leider kennst du niemanden, der diese Beziehungsform lebt. Nicht einmal jemanden, der jemanden kennt. Das ist auch  nicht weiter verwunderlich, denn die offizielle Zahl der öffentlich lebenden polyamoren Menschen in Deutschland liegt bei unter 0,1 %. Wie soll man da jemanden finden, um sich auszutauschen? Aber vielleicht lieben ja auch Menschen polyamor, die es nicht offen zugeben würden? 

    In meinem Roman „Trennung al dente“ gerät Julia auch an einen Punkt, an dem sie sich entscheiden muss und sie fragt sich, ob Polyamorie vielleicht ihre Probleme lösen könnte.

  • Fremdverliebt – was tun?

    Jetzt ist es passiert. Niemals hättest du das für möglich gehalten. Schließlich liebst du deinen Partner. Aber jetzt fühlst du dich so beschwingt. Der Alltag geht dir leicht von der Hand, und wenn nicht, so flutscht er wenigstens an dir vorüber, während du an ihn denkst. Dabei hat alles so harmlos angefangen. Aber eigentlich ist es ja immer noch harmlos. Ist es das wirklich? Wo ist die Grenze, ab der es nicht mehr harmlos ist? Und was ist das Gegenteil von harmlos? Wenn du mit einem anderen Mann schläfst? Oder pausenlos an ihn denkst? Wenn es in deiner Brust sticht, in deinen Eingeweiden rumort beim Gedanken an ihn? Wenn du dein Handy mit auf die Toilette nimmst, um mit ihm schreiben zu können? Wenn du dich besonders zurechtmachst für einen Tag im Büro, an dem du ihm über den Weg laufen könntest? Oder ist Sex die einzige Grenze, ab der es nicht mehr harmlos ist? Würdest du jemals so weit gehen? Jetzt liegt dieser Gedanke so fern wie die übernächste Galaxie, aber galt das vor ein paar Wochen nicht auch noch für das Fremdverlieben?

    Man kann sich nicht Fremdverlieben, wenn man in der Beziehung glücklich ist. So heißt es doch. Aber stimmt das wirklich? Du warst doch glücklich in deiner Beziehung. Aber was heißt überhaupt glücklich? Ihr habt einen gut eingespielten Alltag, gemeinsame Kinder, Urlaube oder Hobbys. Nur selten geratet ihr in Streit, und wenn, dann über banale Kleinigkeiten. Im Bett ist zwar etwas Routine eingekehrt, aber das ist doch normal in einer langjährigen Beziehung. Oder etwa nicht? Erwartest du etwas mehr Einfallsreichtum von deinem Partner, oder solltest du vielleicht selbst mal die Initiative für etwas Außergewöhnlicher ergreifen? Denkst du beim Sex manchmal an deinen Schwarm? Ist damit auch schon die Grenze zum Harmlosen überschritten?

    Was gehört noch zum Glück? Die Schmetterlinge sind erlahmt, aber auch das ist doch normal nach einigen Jahren oder etwa nicht? Kann man sie wiederbeleben? Oder flattern sie immer nur für frisch Verliebte? Dann müsste man ja alle paar Jahre den Partner wechseln, wenn man vom Flügelschlag der Schmetterlinge berührt werden möchte. 

    Du teilst gemeinsame Werte mit deinem Partner. Aber davon fängt der Schmetterling auch nicht mehr zu flattern an. Es ist eine solide Grundlage. Aber eine solide Grundlage ist halt manchmal so spannend wie Beton. Deinen Schwarm im Büro findest du zwar unglaublich anziehend, sexy, charmant. Mit ihm fühlst du dich wieder lebendig. Er ist nicht das Betonfundament, sondern das Luftschloss. Aber kann man in einem solchen dauerhaft leben? Und willst du das überhaupt? Warum kann man nicht beides haben – Das Fundament mit dem Luftschloss darauf? 

    Wenn du das wirklich möchtest, ist das zumindest für eine Zeitlang sicher möglich. Manche schaffen es sogar über Jahre hinweg eine Parallelbeziehung zu führen. In der dann halt auch die Schmetterlinge irgendwann erlahmen werden. Aber die Parallelbeziehung ist vielleicht leichter gegen neue Schmetterlinge auszutauschen, als die „Hauptbeziehung“. 

    Aber eigentlich kannst du dir nicht vorstellen, deinen Partner so sehr zu verletzen. Aber würdest du ihn überhaupt verletzen, wenn er gar nichts davon weiß? Schon jetzt hast du den Eindruck, dass eure Beziehung ein wenig in Schwung gekommen ist. Können Schmetterlinge die langjährige Beziehung beleben, auch wenn sie eigentlich für jemand anderen flattern? Und darf man dieses Gefühl auskosten, wenn man damit niemandem weh tut? 

    Das sind einfach viel zu viele Fragen für einen Menschen ganz alleine. Du hast das dringende Bedürfnis, sie mit jemandem zu teilen. Aber mit wem? Der Mann deiner besten Freundin ist mit deinem Mann befreundet. Diese Konstellation habt ihr immer sehr genossen. Ihr fahrt gemeinsam in den Urlaub, geht zum Klettern und passt gegenseitig auf eure Hunde oder Kinder auf. Wenn du jetzt deine Freundin einweihst, bringst du sie in einen Konflikt. Ganz abgesehen davon könnte sie dein Geheimnis unabsichtlich verraten. Deine anderen Freundinnen sind dir nicht ganz so nahe. Vielleicht ist das eine bessere Idee? 

    Am sichersten ist vielleicht erst einmal das Internet. Du kannst dir deine Situation in einem Forum von der Seele schreiben. Und dort triffst du ganz bestimmt Gleichgesinnte. Denn wie soll deine Freundin dich verstehen, wenn sie niemals gefühlt hat, was du fühlst? Oder vielleicht hat sie das sogar und hat es dir nur nicht erzählt? Das wäre ein Grund mehr, es ihr zu verschweigen. 

    Oder sollst du es vielleicht überhaupt deinem Mann beichten? Vielleicht macht ja auch die Heimlichkeit einen Teil des Reizes aus, und der ist dann verschwunden, wenn du erst einmal gebeichtet hast? Vielleicht hat er ja sogar Verständnis für dich? Schließlich hast du ihn schon lange im Verdacht, er könne ähnliches erlebt haben. Damals, vor drei Jahren, als er plötzlich angefangen hat zu Joggen, auf sein Gewicht zu achten und seine langweiligen weißen Hemden plötzlich bunter wurden. Die Veränderungen waren so klischeehaft, dass es unter deiner Würde war, sie zu bemerken. Also hast du beschlossen, sie in deinem  Unterbewusstsein zu verbannen. Aber dort haben sie offensichtlich ein so freundliches Klima vorgefunden, dass sie bis heute überlebt haben und du sie jetzt hervorholen kannst. Vielleicht würde das deine Position bei einer Beichte verbessern? Angriff ist ja schließlich die beste Verteidigung.

    Aber du möchtest deinen Partner ja gar nicht angreifen. Du möchtest doch nur verstanden werden. Und glücklich sein. Und niemandem weh tun. Aber geht das überhaupt? Am ehesten scheint es noch möglich zu sein, wenn alles bleibt, wie es ist. Du bleibst in deiner stabilen Partnerschaft. Die fehlenden Schmetterlinge flattern im Büro und solange sein Partner nichts davon weiß, ist er auch nicht unglücklich. Aber jetzt meldet sich ein kleines Teufelchen. Vielleicht ist dein Partner ja gar nicht treu? Vielleicht waren die Veränderungen vor drei Jahren nur der Anfang und er hat bis heute eine Parallelbeziehung, von der du nichts weiß? Was weiß man schon wirklich von seinem Partner? An Gelegenheiten mangelt es schließlich nicht, weder dir, noch deinem Partner. Yoga, Stammtisch, Mädlsabend, Dienstreisen….

    Dieses Dilemma beschäftigt so viele Menschen, es ist in unzähligen Filmen und Büchern präsent. Unter anderem in meinem Buch „Trennung al dente“, wo Parallelbeziehungen vor, während und nach einer Trennung verheimlicht, gelebt und offenbart werden und alle Beteiligten eigentlich nur glücklich sein wollen.

  • Erste Hilfe für die Seele

    Du hast die Affäre deines Partners entdeckt. Zufällig oder auch nicht, wer weiss das schon. In dir kocht, brodelt und wütet es. In deiner Brust wird ein Messer mehrmals hin- und her gedreht, ganz langsam, damit es auch richtig weh tut. 

    Auf die Schockstarre folgt der Wunsch nach Aktionismus – aber welche Aktion eigentlich? Was ist richtig in dieser Lebenslage? Schließlich hast du dich darauf nicht vorbereitet. Niemand geht davon aus, dass einem das passieren könnte. Obwohl die statistische Wahrscheinlichkeit recht hoch ist. Aber es geht auch niemand davon aus, in einen Unfall verwickelt zu werden, wenn er morgens sein Auto besteigt. In der Führerscheinausbildung muss man immerhin einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Auch wenn sich wahrscheinlich nur mehr wenige Verkehrsteilnehmer mehr als vage daran erinnern könne.

    Aber jetzt ist es tatsächlich passiert. Die selbsterfüllende Prophezeiung kann es also nicht gewesen sein. Aber gibt es das überhaupt? Einen Erste-Hilfe-Kurs für die Seele? 

    Mangels Vorbereitung bist du jetzt auf andere Ersthelfer angewiesen. Wie auch bei den körperlichen Themen sind manche dafür besser geeignet als andere. Aber bei der seelischen Erste-Hilfe kommt noch ein weiterer Komplexitätsgrad hinzu. Während die menschlichen Körper bis auf Äußerlichkeiten eher ähnlich aufgebaut sind – das Herz ist meist an der selben Stelle zu finden für die Massage und der Mund für die Beatmung auch – ist die Seele ein weiteres Feld. Man weiß ja noch nicht einmal wirklich, was das eigentlich genau ist und wo das sitzt. Und obwohl es durchaus Parallelen gibt, sind die seelischen Empfindungen noch breiter gefächert als die körperlichen Reaktionen.

    Somit wären als seelische Ersthelfer wohl jene geeignet, die einem möglichst ähnlich sind. Das kann bei Freundinnen durchaus der Fall sein. Andererseits verbinden uns Freundschaften oft mit Menschen aus alten Zeiten, oder auch um das eigene Selbst zu ergänzen. Diese Freundin weiß dann vielleicht nicht, wo genau der Knopf ist, der jetzt auf welche Weise gedrückt werden muss. Sie schließt – wie die meisten Menschen – von sich auf andere. Es ist wie der Telefonjoker oder die Publikumsbefragung bei der Millionenshow. Die Antwort kann richtig sein oder auch nicht. 

    Echte Freundinnen werden in dieser Lebenslage mit ehrlich gemeinter seelischer Unterstützung zur Seite stehen. Aber gut gemeint ist ja bekanntlich nicht immer gut. Jetzt können Äusserungen kommen wie „Dieser Scheißkerl hat dich doch gar nicht verdient.“ Dieser Satz kann objektiv gesehen richtig sein, aber trotzdem nicht der richtige für dich – vielleicht willst du ja verzeihen, der Liebe noch eine Chance geben? „Du wirst den Mistkerl doch wohl nicht zurück nehmen!“, „Du hast doch auch deinen Stolz“, und weitere Ratschläge gehen in die ähnliche Richtung. 

    In der ersten Phase kann Wut ein durchaus wertvolles Gefühl sein und gemeinsam mit den Freundinnen zu wüten tut besonders gut. Geteilte Wut ist doppelte Wut und viel hilft viel. Aber irgendwann ist vielleicht genug gewütet und du willst diese Phase verlassen, reflektieren, vielleicht auch gewisse Anteile bei dir suchen, dass es überhaupt so weit gekommen ist.

    Gesellschaftliche Erwartungen können in alle Richtungen wirken. Früher wurde von Frauen erwartet, Affären ihres Mannes stillschweigend zu dulden. Aus wirtschaftlichen Gründen blieb ihnen meist auch nichts anderes übrig. Scheidungen waren etwas für Hollywood-Stars.

    Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert. Trotzdem kann gesellschaftlicher Druck immer noch wirken, wenn auch manchmal in die andere Richtung. Von einer emanzipierten Frau wird erwartet, den untreuen Scheißkerl zu verlassen. Auch wenn sie das vielleicht gar nicht möchte. 

    Neben den Freundinnen gibt es noch die professionellen Ersthelfer für seelische Beeinträchtigungen aller Art. Die sollten doch eigentlich Bescheid wissen über die unterschiedlichen Bedürfnisse und wie sie zu stillen sind. Meine Erfahrungen damit gehen sehr weit auseinander. Nun darf man ja von einem Seelenklempner keine handfesten Gebrauchsanleitungen erwarten. Ein hilfreiches Zitat einer Therapeutin versuche ich heute noch in mir wirken zu lassen: „Wer das Problem hat, hat die Lösung.“ Tief in mir weiß ich bereits, was zu tun ist. Ich muss dieses Wissen nur frei legen. Das ist umso schwerer, je mehr es von Ratschlägen zugeschüttet wird, so gut gemeint die auch sein mögen. 

    Andererseits habe ich auch durchaus konkrete Vorschläge bekommen. Hilfreiche, die ich nicht befolgt habe. Zum Beispiel zu lernen, mir selbst genug zu sein. Statt dessen habe ich nach meiner Trennung sofort zu daten begonnen. Mein angeknackstes Selbstbewusstsein wollte unbedingt aufpoliert werden und das versprach ich mir von männlicher Bewunderung.

    Der Vorschlag, bei dem es mir heute noch kalt über den Rücken läuft, kam von einem Paartherapeuten. Wir hatten ihn aufgesucht, als die Affäre ans Licht kam, ich um die Ehe kämpfen wollte. „Gönnen Sie ihrem Mann in der nächsten Zeit zwei Frauen, wenn Sie das können.“ Und zu dem untreuen Ehemann: „Und Sie genießen es in nächster Zeit, zwei Frauen zu haben.“

    Dass ich darauf eingegangen bin, kann ich heute nur auf meinen damaligen seelischen Ausnahmezustand zurückführen. Und es hat mir auch keineswegs geholfen. Es war, wie wenn man bei einer Herzmassage zur Ersten Hilfe die Rippen bricht und damit dem Wiederzubelebenden in die Lunge sticht, nachzulesen in meiner Geschichte „Trennung al dente“.

  • Ein Kind gehört zur Mutter

    Mit dem Kleidersack über der Schulter betrete ich das Headquarter in Wien. Endlich ist wieder ein Präsenzmeeting angesagt, für das ich zwei Tage bleiben werde. Morgen ausschlafen, am Donaukanal entlang joggen, frühstücken, ohne Kakao über die Bluse geleert zu bekommen und dann tiefenentspannt und voller Tatendrang ins Büro. Ich liebe diese Wellness-Auszeiten.

    Bei der Aussicht auf so viele positive Vibes gibt es natürlich auch Neider. Einer kommt gerade um die Ecke, eine Kollegin aus dem dritten Stock.

    „Gell, die Kleine weint schon, wenn Sie wegfahren?“

    „Sie hat ja auch einen Papa.“

    „Aber eine Mutter kann schließlich nicht ersetzt werden.“ 

    Dem stimme ich durchaus zu. Für den Vorgang von Schwangerschaft und Geburt. Vielleicht noch für den des Stillens, aber es soll schon Kinder gegeben haben, die auch als Flaschenkinder prächtig gediehen sind.

    Meine einjährige Tochter genießt die Tage mit ihrem Papa gerade genauso wie seine selbst zubereiteten Kinder-Mahlzeiten. Ich wüsste nicht, was ich da als Mutter besser machen könnte. Das Öffnen von Hipp-Gläsern zählt sicher nicht dazu. Diese Meinung behalte ich aber für mich. Wir schreiben das Jahr 2001. Nicht einmal 2% der Männer gehen in Karenz. Mein Mann als Vollzeit-Papa ist eine nahezu unbekannte Spezies.

    Ein Kind später bin ich immer noch berufstätig und mittlerweile werden wir von einem Au-Pair-Mädchen unterstützt. Neiderinnen gibt es immer noch. Da ich mittlerweile Teilzeit arbeite, habe ich jetzt Zeit für Spielgruppenmamatreffen. Mir bleibt gerade die Breze im Hals stecken, als ich höre:

    „Ich bewundere dich ja sooo sehr, dass du es schaffst, deine Kinder einem Au-Pair zu überlassen. Gerade hat doch eine ein Baby zu Tode geschüttelt. Ich würde das niemals schaffen.“

    Subtext: „Ich hätte auch gerne so viel Freiheiten wie du.“

    Da ich den Mund voll habe, bringe ich nur ein „hmmpff“ heraus, aber recht viel mehr hätte ich auch mit besseren Manieren nicht dazu beitragen können.

    „Es ist nicht meine Aufgabe, die Erwartungen der Gesellschaft an mich zu erfüllen“, denke ich in diesem Kontext lieber leise. Wir schreiben das Jahr 2001 in einem oberbayerischen Dorf. Rabenmutter ist ein ganz normales Wort.

    Eine Scheidung später arbeite ich immer noch Teilzeit. Ein Großteil meines Lebens ist mir um die Ohren geflogen. Was ich nie für möglich gehalten hätte, ist passiert. Was in meiner Überzeugung „für immer“ war, ist vorbei. Ein Schmerz, der für mich unvorstellbar war, hat mich gebeutelt. Und ich war versucht, Dinge zu tun, die ich mir niemals zugetraut hätte. Aber mit meiner Arbeit habe ich habe eine Konstante in meinem Leben, die mir Halt gibt. Und die finanziellen Möglichkeiten für eine faire Scheidung. Obwohl Tante Jolesch ja sagt, „Gott bewahre uns vor allem, was noch ein Glück ist.“ Aber ich habe mir diese Art von Glück schließlich nicht ausgesucht.

    Was ich mir auch nicht ausgesucht habe, ist die Regelung des Umgangsrechts in der Scheidungsfolgenvereinbarung. Es ist die einzig logische Konsequenz unserer Familien-Konstellation. Erst beim Anwalt habe ich erfahren, dass es dafür einen Namen gibt: „Nestmodell“ klingt doch ganz angenehm, finde ich. Unsere Teenager sind mit schulischen und außerschulischen Aktivitäten gut ausgelastet. Ich wollte ihnen kein Pendlerleben aufzwingen. Mit den Öffis wären sie drei Stunden zum Vater unterwegs gewesen und die Trainingspläne werden auch nicht auf Scheidungskinder zugeschneidert. Wenn schon jemand pendeln muss, dann sollten das die Eltern sein, die haben den Schlamassel schließlich verursacht. Jedes zweite Wochenende und jede Woche von Mittwoch auf Donnerstag habe ich jetzt frei. Und auch das ist wieder ein Glück, das ich mir nicht aussuchen würde. Zuerst klappere ich an den kinderlosen Wochenenden Freunde ab, die ich länger nicht besucht habe. Dann miete ich ab und zu ein Hotelzimmer. Ein mehr als seltsames Gefühl in der Heimatstadt, das ich auch in meinem Debütroman „Trennung al dente“ beschreibe.

    Und dann bekomme ich durch eine glückliche Fügung eine winzige Wohnung in weniger als mittelprächtiger Gegend, aber für mich bedeuten diese 23 Quadratmeter die große Freiheit. Die Freiheit war mehr als nur die Tatsache, mich ein paar Tage um keine Kinderbelange zu kümmern. Es war eine innere Freiheit, ein wieder-entdecken meines Selbst in einer neutralen Umgebung, die ich zu meiner ganz eigenen gestalten konnte. Und ich stellte mir ein wildes Leben vor in meiner Lasterhöhle, mehr als es im Familienaus auch ohne Anwesenheit der Kinder möglich gewesen wäre.  Im Großen und ganzen ist es diesbezüglich bei den Vorstellungen geblieben, aber wie sagt man so schön – Vorfreude ist die schönste Freude. Manchmal reagierten Außenstehende etwas sonderbar, wenn ich auf die Frage „wo wohnst du denn“ etwas auszuschweifen begann. Aber daran gewöhnte ich mich bald. 

    In Foren fragen Interessierte gelegentlich nach Erfahrungsberichten, da sie niemanden persönlich kennen mit diesem Modell, daher teile ich hier meine ganz persönlichen Erfahrungen mit den Nachteilen des Nestmodells:

    Der erste Nachteil ist eigentlich eine Voraussetzung: die Ex-Partner brauchen ein gutes Einvernehmen und sollten sich in der Erziehung weitgehend einig sein. Das ist für mich eine Grundbedingung, die bei Trennung sowieso immer zu gelten hat. In den schlimmsten Zeiten, wenn ich versucht war, dieses Credo außer acht zu lassen, habe ich mich zur Ordnung gerufen mit dem Mantra „Die Liebe zu meinen Kindern ist größer als der Hass auf meinen Ex.“ 

    Man muss teilweise weiterhin einen gemeinsamen Haushalt führen. Das waren auch die einzigen Bedenken meines Anwaltes, dass das Haus in einem unordentlichen Zustand hinterlassen werden könnte, was dem Einvernehmen wiederum schaden könne. Diesbezüglich konnte ich ihn beruhigen. Die Sauberkeitsstandards meines Ex-Mannes lagen über den meinen, er hat das Haus meist ordentlicher hinterlassen als vorgefunden.

    Die Kosten sind höher. Aus diesem Grund ist das Modell nicht immer möglich, manchmal bei bestimmten Konstellationen aber sogar günstiger.

    Es könnte Schwierigkeiten mit neuen Partnern geben. Das war in der Tat bei uns einer der Gründe, warum das Modell sich langsam aufgelöst hat. Gleichzeitig sind aber auch die Kinder einem starren Modell entwachsen und konnten selbst entscheiden, wann und wie sie ihren Vater besuchen wollen.

    Gleichzeitig hat noch eine Salzburger Besonderheit die Freude an meinen „wild days“ etwas getrübt: ich durfte in der Stadtwohnung keinen Nebenwohnsitz begründen. So lebte ich meinen „U-Boot-Status“ an diesen Tagen immer unentspannter und es fügte sich das Auslaufen des Modells auch in meine persönlichen Bedürfnisse.

  • Schreiben oder nicht schreiben?

    Die beiden Seelen in meiner Brust driften so weit auseinander, ich fühle mich zum Zerreissen gespannt. Was tun? Fahren oder nicht fahren? Warum habe ich mich überhaupt angemeldet damals? Ich habe doch gar nichts Bedeutsames zu sagen über mein Leben? Und hier kann ich in dieser Zeit nun wirklich Bedeutsames leisten. Ich kann meine Ehe retten.

    Gerade hat mein Mann sich bereit erklärt, die Affäre zu beenden und bei der Familie zu bleiben. Wenn ich jetzt nach Wien fahre, wird er mir das vielleicht wieder als Eheverfehlung ankreiden?

    Aber was noch viel schlimmer ist: Wenn ich jetzt wegfahre, hat DIE ANDERE freie Bahn. Vielleicht trifft er sie dann doch wieder? Andererseits. Kann ich das verhindern, wenn ich hier bleibe? Ich kann ihn doch nicht auf Schritt und Tritt bewachen? Wenn ich das könnte, wäre das doch gar nicht erst passiert. Es ist allerdings auch passiert, weil ich mich in einer falschen Sicherheit wähnte. Es gibt keine Sicherheit, schon gar nicht in Beziehungen. 

    Es hatte meiner Seele solchen Auftrieb gegeben, als ich das Schreiben entdeckt hatte. Besonders nach dem Dämpfer in meinem Job. Angefangen habe ich mit ein paar kleinen Übungen aus dem Buch von Julia Cameron. Plötzlich hat es mich gepackt und ich wusste: ich muss schreiben. Abends, wenn die Kinder im Bett waren, saß ich im Kerzenschein auf der Terrasse und versank in mein Tun. Im Nachhinein gesehen hätte ich lieber mit meinem Mann im Bett versinken sollen. Hinterher ist man immer klüger. 

    Andererseits. Warum muss ich auf diesen Tanz meiner Seele verzichten? Warum kann ich nicht alles haben? Ich leiste in meinem Job, kümmere mich liebevoll um meine Kinder, und wenn dann nur mehr Zeit für eines bleibt, dann für die Rolle als Ehefrau? Ich habe sogar schon den Sport herunter gefahren für das Schreiben, mache nur mehr kleine Spaziergänge, die der Inspiration dienen. Und trotzdem habe ich meinen Mann offensichtlich vernachlässigt. Den Haushalt auch. Sagt er jedenfalls. Also hier bleiben und alle Versäumnisse nachholen?

    „Ein eigenes Zimmer“, wie Virginia Woolf es fordert, habe ich sogar. Es dient allerdings meiner Erwerbsarbeit im Homeoffice, wenn die Kinder krank sind oder sonstige Notfälle anstehen. Durch die Erwerbsarbeit habe ich sogar ein eigenes Einkommen, wie Virginia Woolf es ebenfalls fordert. Theoretisch wäre ich dadurch frei, unabhängig von einem Mann. Aber bin ich das wirklich? 

    Nein, das bin ich nicht. Weder finanziell, weil mein Teilzeitgehalt nicht die Familie ernähren könnte.  Dazu müsste auch meine Care-Arbeit für die Kinder bezahlt werden. Und schon gar nicht emotional. Sonst würde ich jetzt nicht mit dem Gedanken spielen, mein verlängertes Schreib-Wochenende in Wien abzusagen, damit mein Mann sich von seiner Geliebten fern hält. Was ich genau betrachtet auch mit einer Anwesenheit nicht verhindern kann.

    Also hole ich mir jetzt ein kleines Stück meiner Freiheit zurück und fahre nach Wien. Ich wohne bei einer alten Freundin und das ist schon ein großer Teil des Balsams, den dieses Wochenende auf meine Seele streichen wird. Endlich habe ich Gelegenheit mein Herz auszuschütten. 

    Und dann, endlich, beginnt der Workshop. Ich bin ein wenig aufgeregt. Die anderen Themen aus meinem Leben, die ich überlegt hatte, als Schreibstoff mitzubringen, erscheinen mir jetzt im Lichte meiner neuen Erlebnisse fad und schal. Aber über das Unaussprechliche zu schreiben, das vor einer Woche passiert ist? Gut, diese Hürde habe ich schon mit den Einträgen in mein Tagebuch genommen. Aber diese handschriftlichen Einträge kann ich danach nicht einmal selbst lesen. Hier wird ja nicht nur geschrieben, sondern auch vorgelesen, geteilt, kommentiert. Werde ich dazu in der Lage sein, ohne in Tränen auszubrechen? Ich werde das dann einfach ganz spontan entscheiden, wenn ich die Gruppe kennen gelernt habe.

    Wir sitzen um einen großen Tisch versammelt und stellen uns vor. Sofort fühle ich: Diesen empathischen Schreibenden kann ich meine Seele öffnen. Hier fühle ich mich aufgehoben. Hier bin ich vielleicht auch nicht allein mit meinem Leid. Auch andere Menschen erleben Unerfreuliches. Und das Leben bietet sicher noch Schlimmeres als eine aufgeflogene Affäre. Ich werde also darüber schreiben. Ana führt den Workshop auf so einfühlsame Weise, dass es mir geradezu leicht fällt, die Anfangsszene zu schreiben. Dass ich dadurch noch einmal erlebe, wie ich meinen Mann mit der Tatsache konfrontiere, macht es nicht schlimmer, im Gegenteil. Wut und Schmerz fließen aus meinem Kugelschreiber auf das Papier und sind dann dort gebannt, zumindest für eine kurze Zeit. 

    Für die Feedbackrunde lese ich mit zitternder Stimme meinen Text vor. Es werden die Bilder besprochen, die ich verwendet habe, diskutiert, ob und welche Gefühle durch bestimmte Wörter ausgelöst werden. Und mein Erstaunen setzt sich fort. Durch dieses Besprechen meines Textes auf der formalen Ebene scheint sich auch das Problem auf eine formale Ebene zu bewegen. Es ist jetzt nicht mehr der größte Schmerz meines Lebens, es ist Stoff für ein Buch. Zumindest in diesem Augenblick in dieser Gruppe. Und ich bin für jeden Augenblick dankbar, in dem der Schmerz mich so weit verlässt, dass er Raum lässt für Anderes, Schönes in meinem Leben.

    Ich frage Ana nach dem richtigen Zeitpunkt für das Aufschreiben einer schmerzhaften Geschichte. 

    „Wenn es noch ganz frisch ist, hat es den Vorteil, dass man es noch mit sehr viel Emotion beschreiben kann kann. Der Nachteil: man hat vielleicht nicht immer ausreichend Distanz zum Geschehen.“

    Ich lasse die Worte auf mich wirken. Und schreibe weiter mein Tagebuch. Letztendlich entscheidet das Leben für mich, wann ich das Buch schreibe. Als ich mich auf das zweite Workshop-Wochenende vorbereiten möchte, bin ich plötzlich Alleinerzieherin. Nicht eine Alleinerzieherin, die diese Rolle mal für ein Wochenende abstreifen und nach Wien fahren könnte, sondern ausschließlich. Ich bekomme Unterlagen und Aufgaben vom zweiten Workshop-Teil per mail und drucke alles aus.

    In dieser Mappe liegt es dann für die nächsten zwölf Jahre. Und als der richtige Zeitpunkt gekommen ist, packe ich es wieder aus und beginne zu schreiben.

    Daraus entsteht mein Buch Trennung al dente, das am 1. Juli 2025 erscheint.

    Anas Memoir-Workshop hat sich mittlerweile zu einem Lehrgang entwickelt.

  • Affäre entdeckt – Ehe am Ende?

    Der erste Sturm hat sich gelegt. Du hast deine Wut entweichen lassen oder sie hinunter geschluckt, je nach deiner Persönlichkeit und den Umständen, in denen du lebst und in denen du die Affäre deines Partners entdeckt hast. Vielleicht haben dich dabei ein paar der Gefühle begleitet, die ich in meinem letzten Post zu dem Thema beschrieben habe: https://julia-landers.com/affaere-entdeckt-was-jetzt/ 

    Nach der Wut kommt vielleicht das Leugnen, das Nicht-Wahrhaben-Wollen, das Kopf-in-den-Sand stecken. Vielleicht stimmt es ja gar nicht. Vielleicht gibt es eine ganz harmlose Erklärung. Vielleicht wache ich aus diesem Alptraum wieder auf und alles ist wieder gut. Vielleicht…vielleicht…vielleicht.

    Langsam aber sickert die Erkenntnis durch den Sand, in den du deinen Kopf gesteckt hast. Hartnäckig versucht sie, zu dir durchzudringen. Dich mit den Tatsachen zu konfrontieren. Schonungslos. Du spürst, wie sich das Geschehen langsam ausbreitet vom Bauch, in den die Wut hinein geschossen ist, über die Brust, wo ein zentnerschwerer Stein auf deinem Herzen die Traurigkeit beschwert, immer weiter nach oben, bis es am Kopf ankommt. Du spürst den Zeitpunkt nahen, wo du dich rational mit dem Geschehen auseinandersetzen musst.

    Vielleicht gehörst du aber auch zu den Menschen, bei denen diese Wanderschaft in den Kopf gar nicht stattfindet. Die Angelegenheit wird auf der Gefühlsebene abgehandelt, Entscheidungen werden nicht nach Abwägen von tausend mehr oder weniger rationalen Argumenten getroffen, sondern aus dem Bauch heraus. Viele schwören auf diese Art und Weise, Entscheidungen zu treffen.

    Ideal wäre eine Teamarbeit zwischen Kopf und Herz beim Treffen von Entscheidungen. Wenn du diesen Artikel liest, dann besteht immerhin nicht mehr die Gefahr einer überstürzten Entscheidung. Du hast nicht in einem plötzlichen Impuls die Scheidung eingereicht, wenn du verheiratet bist. Du überdenkst jetzt deine Möglichkeiten und ziehst die virtuelle Welt zu Rate. Meiner Erfahrung nach ist das nicht die schlechteste Idee. Denn jetzt gibt es viele Optionen, und wie soll man die richtige wählen? Und vielleicht wäre eine Option die beste, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre? 

    Um Schwarmintelligenz zu nützen, braucht man erst mal einen Schwarm. Aber woher nehmen? Nicht jede hat ausreichend Freundinnen zur Hand, die in der dieser Lage helfen können. Und wie kann diese Hilfe überhaupt aussehen? Einfach nur zuhören, zustimmen oder eigene Vorschläge bringen? Die meisten Menschen bewerten Ereignisse aufgrund der eigenen Erfahrungen. So funktioniert unser Hirn. Das Internet ist ein guter Ort um einen ausreichend großen Schwarm mit bestimmten Erlebnissen zu finden. Hier kann man seine eigenen Erlebnisse z.B. in Foren oder Blogs auch kund tun, ohne seine Identität preisgeben zu müssen. Und auch die entscheidende Frage in dieser Lebenslage stellen: Muss eine Affäre zwangsläufig zum Ende einer Ehe führen? Meine persönliche Antwort auf diese Frage ist wie so oft: JEIN. Oder auch nicht viel konkreter: es kommt darauf an. Aber worauf kommt es an?

    Zuallererst würde ich versuchen, das Ausmass, den „Schweregrad“, oder einfach die Beschaffenheit der Affäre zu ergründen. Für einen einmaligen Ausrutscher lohnt es sich wohl nicht, eine Ehe zu „opfern“. Wobei man den Begriff Affäre eher für längerfristige Angelegenheiten zu verwenden pflegt. Trotzdem kann auch die Verarbeitung eines einmaligen Seitensprunges sehr schmerzhaft sein. Die Dauer einer Parallelbeziehung sagt auch nicht unbedingt etwas über deren Intensität aus und ihre Bedeutung für den Fremdgehenden. Ideal wäre es, diese Parameter in ruhigen Gesprächen zu erkunden, aber wer ist dazu in solch einem Gefühlsaufruhr schon in der Lage? Ich war es ganz bestimmt nicht, wie du in meinem Memoir „Trennung al dente“ nachlesen kannst. Was ich hier schreibe entspringt also meiner heutigen Sicht mit über zehn Jahren Abstand.

    Falls du es geschafft hast, deine Wut und deinen Schmerz zu zähmen und ein vernünftiges Gespräch mit deinem Partner zu führen, bist du jetzt vielleicht ein wenig schlauer über das Wesen der Affäre. Ein gutes Gespräch über dieses Thema führt zwangsläufig auch zu den Wurzeln und Hintergründen. Und erst auf dieser Basis kannst du fundiert entscheiden, ob du die Ehe fortführen möchtest oder auch nicht. Wie das Gespräch verläuft, kann auch viel über die Beziehung aussagen. Landet man sofort bei Schuldzuweisungen? Dem Fremdgehenden alle Schuld aufzuladen, mag eine nahe liegende Reaktion auf die schmerzvollen Umstände zu sein. Sie ist aber weder wirklich hilfreich, sondern in manchen Fällen auch nicht ganz richtig. Manchmal liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Aber wer will bewerten, welches Vergehen gegen die Beziehung schwerer wiegt als die andere? Wiegt Vernachlässigung 100 Kilo und Fremdgehen 200 Kilo? Hier können vertrauensvolle Gespräche über die Beziehung helfen, zu den tiefsten Wünschen und Sehnsüchten der Partner vorzudringen. Und zu den Verletzungen, weil sie vielleicht nicht erfüllt wurden. Daraus kann viel Neues entstehen, auch wenn der Prozess schmerzhaft und langwierig sein mag.

    Wie wir solche Entscheidungen treffen, wird immer auch vom gesellschaftlichen Kontext beeinflusst. Eine von ihrem Mann finanziell abhängige Frau hätte gar nicht die Möglichkeit einer Trennung gehabt, auch wenn sie es gewollt hätte. Heute hat sich das zum Teil ins Gegenteil verkehrt. Von wirtschaftlich unabhängigen Frauen wird manchmal fast eine Trennung erwartet. „Das kannst du dir doch nicht gefallen lassen“, „Der hat dich doch gar nicht verdient“. Gesellschaftlichen Druck kann es also aus beiden Richtungen geben. Eine so fundamentale Entscheidung für das eigene Leben kann man aber nur für sich alleine treffen. Schließlich muss man auch alleine die Konsequenzen dafür tragen und manche Entscheidungen lassen sich nicht rückgängig machen. Natürlich ist es hilfreich, sich mit Freunden auszutauschen. Allein schon deshalb, weil manche Dinge einem erst durch Aussprechen bewusst werden. Das erhellende Aussprechen kann auch durch Aufschreiben ersetzt oder noch besser ergänzt werden. Journaling, Morgenseiten, Tagebuch, egal wie man es bezeichnet, alles kann helfen. 

    Da ich das alles erlebt habe, kann ich dazu sagen, was ich aus heutiger Sicht – mit über zehn Jahren Abstand – tun würde. Also was mein heutiges Ich meinem damaligen Ich raten würde. In erster Linie Ruhe bewahren. Nichts überstürzen. Mich nicht von den Emotionen in einen negativen Strudel hinziehen lassen. Mir aber auch keine Vorwürfe und Schuldzuweisungen des Partners anziehen, wie eine zweite, drückende Haut, die mich immer tiefer und tiefer hinunter zieht. Dass ich damals ganz anders gehandelt habe, kannst du in meinem Memoir „Trennung al dente“ einfügen nachlesen. Das Buch ist also eher eine Anleitung, wie man es nicht machen soll. Somit kann ich immerhin als schlechtes Beispiel dienen.

  • Affäre entdeckt – was jetzt?

    Du bist verzweifelt. Gedemütigt. Hilflos. Ratlos. Wütend. Würdest am liebsten alles kurz und klein schlagen oder zumindest ein Glas an die Wand werfen. So wie ich es gemacht habe, nachdem ich die Affäre meines Mannes entdeckt habe. Oder dich vor der Welt verkriechen, nicht mehr vorhanden sein, in eine tiefe Ohnmacht fallen und wie Dornröschen erst wieder aufwachen, wenn der Prinz dich in ein neues Leben erweckt. Aber leider. Nichts von alldem ist möglich. Das Zerdeppern von Geschirr natürlich schon, aber es ändert nur marginal etwas ein deiner Situation. Im besten Fall ist ein klein wenig Wut entwichen und das Aufsammeln der Scherben – das dir wahrscheinlich auch nicht erspart bleibt – hat dich vielleicht ein wenig beruhigt. Eine alltägliche Verrichtung kann helfen, wenn im eigenen Universum grad kein Stein auf dem anderen zu bleiben scheint. 

    Du kannst gerade keinen klaren Gedanken fassen und die Instinkte, die gerade die Kontrolle über dich übernommen haben, sind auch nur mäßig hilfreich. Irgendwann fragst du dich: was tun? Das hängt natürlich auch ein wenig von der Situation ab. Bist du zu Hause und hast die Wahrheit anhand von Indizien herausgefunden? Dann kannst du jetzt erst einmal deine ganze Wut entweichen lassen, wenn dir danach ist. Es sei denn, deine Kinder sind bei dir. Dann ist das vielleicht keine so gute Idee und du musst das Wüten verschieben. Keine leichte Aufgabe, aber als Mutter ist man ohnehin ständig mit Herausforderungen konfrontiert.

    Oder hat dein Partner gerade gebeichtet? Freiwillig oder nachdem du ihm den Seitensprung aufgrund einer Vermutung unterstellt hast, in der Hoffnung er könne es glaubhaft widerlegen? Dann hängt deine Reaktion von deiner Strategie ab. Wenn du überhaupt in der Lage bist, dir eine solche zu überlegen. Und es hängt vor allem von deiner Persönlichkeit ab. Bist du ein impulsiver Mensch, dann wirst du jetzt vielleicht trotzdem oder gerade wegen der Anwesenheit deines Partners das Weinglas werfen. Entweder im Affekt und ohne bestimmte Richtung, oder vielleicht sogar in seine Richtung? Dann kann er hoffentlich noch rechtzeitig ausweichen. 

    Oder bist du ein ruhiger, beherrschter und trotzdem neugieriger Mensch, dann fragst du ihn jetzt vielleicht nach dem Warum. Oder dem Mit wem. Oder dem Wie lange schon. Willst versuchen, Erklärungen für das absolut Unerklärliche, Unverständliche zu finden.  

    Oder dein Stolz und deine Selbstachtung verbinden sich zu einem Knäuel mit deiner Wut und das Gefühlsgemisch bahnt sich einen Weg von deinen Eingeweiden in dein Sprachzentrum und heraus kommt ein einziges Wort: „Raus!“ Je nach Temperament und Umständen läufst du zu seinem Kleiderschrank, greifst wahllos ein paar Klamotten und wirfst sie schwungvoll hinterher, sofern der Verursacher deiner Wut wunschgemäß den Rückzug angetreten hat.

    So viele und noch viel mehr Möglichkeiten gibt es, auf die Entdeckung eines Seitensprunges zu reagieren und dabei haben wir noch gar nicht die Strategie des Verursachers dieser Seelenpein mit berücksichtigt. Versucht er zu leugnen? Das kann deine Wut anfeuern. Es kann dich aber auch beruhigen, wenn du gerne beruhigt werden möchtest. Ist er vielleicht erleichtert über die Entdeckung, weil sie ihm die Möglichkeit gibt, offen zur „Anderen“ zu stehen? Was wiederum deine Wut befeuern kann oder auch deinen Wunsch nach sofortiger und nachhaltiger Bewusstlosigkeit. Oder vielleicht macht sich auch Erleichterung in dir breit, weil du ohnehin nicht mehr glücklich warst und dir jetzt die Entscheidung abgenommen wird?

    Jede Beziehung ist anders, jeder Mensch ist anders. Aber sie alle eint der Schmerz, der mit so einer Enthüllung verbunden ist. In den sich mal schneller, mal erst nach längerer Zeit auch wieder Freude auf Neues mischt. Entweder mit dem eigenen Partner, wenn die Beziehung diese Stürme übersteht oder danach wieder aufgebaut werden kann. Oder mit neuem Partner oder auch nur einfach mit sich selbst als bester Freundin.

    Viele dieser Szenarien habe ich selbst erlebt. Ich war Betrogene und Betrügende, ich habe ein Weinglas an die Wand geworfen und meinen Mann aus dem Haus. Von all dem handelt mein Buch „Trennung al dente“. Ich nehme dich darin mit auf meine Reise durch den Schmerz, die Ratlosigkeit, die Unentschlossenheit, die Wut, die Rachegelüste. Aber ich lade dich auch ein, mit mir wieder die Liebe, die Lebensfreude, die Aufbruchsstimmung, das Selbstbewusstsein und vor allem den Humor wieder neu zu entdecken. 

    Wenn gerade der erste Sturm der widerstreitenden Gefühle durch deinen Körper tobt, dann fehlt dir vielleicht der Austausch, das Gefühl „ich bin nicht allein“? Dieses Gefühl kann dir mein Buch geben. Du brauchst eine Freundin, die ähnliches erlebt hat und bereit ist, mit schonungsloser Offenheit davon zu erzählen, auch wenn sie selbst nicht immer gut dabei abschneidet? Lass mich diese Freundin für dich sein. Zum Austausch gehören natürlich immer (mindestens) zwei. Daher freue ich mich, wenn du mir von deinen Erfahrungen berichtest. Oder beim Lesen meines Buches einfach nur denkst „ach das kenne ich auch“. Oder dir vielleicht ein „wie kann man nur so doof sein“ entfleucht, denn dann kann ich immer noch als schlechtes Beispiel dienen.

    Das Buch soll dich unterhaltsam durch eine schwere Zeit begleiten. Oder dich einfach nur unterhalten, wenn dir diese Erfahrungen erspart geblieben sind. Wir lesen ja auch gern von Erlebnissen anderer und fühlen, leiden, lieben, lachen mit ihnen. Das alles soll dir mein Buch bieten. Hier kannst du mich in der Leseprobe begleiten, wie ich versuche, eine filmreife Szene hinzulegen:

    Wenn du dich zum Newsletter anmeldest, erfährst du mehr über meine spannende Reise, auf der ich meine Geschichten mit meinen Leserinnen teilen möchte. Warum schreibe ich diese Bücher, wann und wie? Und wie finde ich mich im Selfpublishing-Dschungel zurecht? Und wie verträgt sich das alles mit meinem Brotberuf? Was ist das überhaupt für ein Beruf? Außerdem kannst du eine Gratis-Geschichte lesen über meinen Auswanderungsversuch nach Ägypten

  • Herzschmerz, Trennung, Liebeskummer: diese 5 Strategien wende ich dosiert an

    Wenn ich eine Trennung verarbeite, dann ist für mich nicht jede Strategie in jeder Phase die richtige. Bei mir laufen die Phasen auch nicht ordentlich hintereinander ab, sondern wild durcheinander. Manchmal glaube ich, eine Phase übersprungen zu haben, bis ich dann wieder in ein früheres Stadium zurück geworfen werde. Je nach Ratgeber wird der Liebeskummer in 4, 5 oder mehr Phasen eingeteilt. Letztendlich ist die Anzahl und die Reihenfolge auch egal. Durch den Kummer muss man durch und wenn man fertig ist, merkt man es ganz von selber. Manchmal helfen gewisse Strategien für einen Eintritt in eine neue Phase, ein andermal kann man sich mit derselben Strategie auch in einer Phase fest fahren.

    ABC-Darium

    Das habe ich als Instrument im Kreativen Schreiben kennen gelernt. Wobei es bei mir in diesem Fall eher Blockaden erzeugt als die Kreativität anzukurbeln. Wenn ich mir unter Zeitdruck zu einem fixen Thema etwas zu jedem Buchstaben ausdenken muss, fühle ich mich wie in der Schulzeit, wenn die Themen der Deutsch-Schularbeit ausgeteilt wurden und ich innerhalb der Schulstunde zu einem vorgegebenen Thema etwas schreiben musste. 

    Wenn ich unter Liebeskummer leide und geneigt bin, meinen Verflossenen zu glorifizieren, ist es eine wunderbare Möglichkeit, mich damit in die Phase der Wut zu katapultieren. Wut ist ein wertvolles Gefühl, auch wenn es nicht immer angenehm ist. Ich denke einfach zu jedem Buchstaben im Alphabet an eine negative Eigenschaft und noch lange vor dem Z bin ich entweder wütend auf den Typen oder im besten Fall froh, ihn los zu sein. Es aufzuschreiben, ist natürlich noch kraftvoller, aber unterwegs kann ich die Übung auch im Kopf machen. Und sie hilft mir sogar beim Einschlafen. Liebeskummer und Sorgen jeder Art halten mich oft nachts wach. Bei dieser Übung bin ich dann meist schon lange vor dem Z eingeschlafen. 

    Natürlich ist das kein Allheilmittel gegen den Kummer, der von der Wut nicht endgültig hinweg gefegt wird, aber es hilft für den Moment und der Rückfall wird mit jedem mal ein wenig kleiner. Es kann einen allerdings auch dazu verleiten, in der Wut stecken zu bleiben, anstatt sie hinter sich zu lassen.

    A alt – wie ihr in meinen Büchern lesen könnt, trifft das auf manche meiner Verflossenen zu. Sie sind älter als ich und nach der Trennung führe ich mir dann jedesmal die Nachteile einer solchen Konstellation vor Augen.

    B besserwisserisch – diese Eigenschaft trifft auf viele Menschen (und oft auch auf mich selber, aber das ist ja schließlich kein Ausschlusskriterium) zu und lässt sich deshalb oft und gern hier einbauen.

    C – hier muss ich schon ein wenig länger nachdenken. Um es nicht zu verkomplizieren, lasse ich oft einen Buchstaben aus und fülle ihn bei Gelegenheit, wenn mir etwas einfällt. Und für die Einschlaf-Übung kann es ganz gut sein, länger darüber zu sinnieren.

    Musik

    Welche Musik ich bei Liebeskummer höre, hängt auch sehr von Phase ab, in der ich gerade leide. Manchmal muss ich mich einfach in meinem Schmerz suhlen, und manchmal wird er dadurch auch ein wenig leichter hinterher. Oft gibt es auch einen Textschnipsel in einem Lied, der exakt auf meine Situation passt, der erklärt, warum die Trennung unausweichlich war und dann höre ich genau dieses Lied immer wieder. Gerne höre ich auch Lieder, zu denen ich tanze, mich lebendig und wild fühle. In meinem Buch „Trennung al dente“ spielt deswegen auch Musik eine Rolle.

    Kontraproduktiv ist bei mir hingegen das Hören eines Liedes, mit dem positive Erinnerungen in der Beziehung verknüpft sind. Deshalb lösche ich solche Songs nach der Trennung aus meiner Playlist, genauso wie ich Fotos, Karten und sonstige Erinnerungsstücke entsorge. Wobei ich da oft nicht mit der gebotenen Konsequenz vorgehe – ich verräume Fotos in einer Schachtel irgendwo ganz tief unten, ich schreibe die Telefonnummer auf einen Zettel, bevor ich sie aus dem Handyspeicher lösche und die „gemeinsamen“ Lieder vergisst man ja meist auch nicht und kann sie zu gegebener Zeit wieder hervorholen. Das finde ich auch nicht schlecht, denn wenn der Schmerz ausgestanden ist, kann man sich wieder daran erfreuen, dass man diese schönen Zeiten erleben durfte. 

    Reisen

    Ähnlich verhält es sich bei mir mit dem Reisen. Orte, an denen ich mit dem Verflossenen glücklich war, versuche ich nach einer Trennung tunlichst zu meiden, um nicht auch noch in einer frischen Wunde zu stochern.

    Das Entdecken neuer Plätze kann mir einen Stimmungsboost bescheren, oder auch das Gegenteil auslösen. Das Betrachten romantischer Sonnenuntergänge zum Beispiel löst bei mir zwangsläufig den Wunsch aus, das Naturschauspiel zu teilen. Hier kann es schon hilfreich sein, mit einer Freundin zu verreisen, anstatt allein.

    Was ich nach Trennungen gerne mache, sind Sport-Reisen, bei denen ich nicht zu viel zum Nachdenken komme. Freunde unterstellen mir dann manchmal, vor mir selbst weg zu laufen, aber das ist dann halt so. Alles was hilft, ist richtig. Und manchmal lerne ich dabei auch interessante Menschen kennen, so wie im dritten Teil meiner Trennungs-Trilogie.

    Sport

    Sport ist bei mir ein ganz wunderbares Mittel, mit dem ich mich so auspowern kann, dass ich sogar zum Trauern zu erledigt bin. Ebenso wie beim Reisen achte ich aber darauf, nicht zu viele „weißt-du-noch“ – Momente auszulösen. Ganz besonders meide ich am Anfang Sportstätten mit erhöhter Wahrscheinlichkeit, den Ex zu treffen. Wenn ich mich dann wieder dorthin wage, bin ich stolz, die nächste Stufe erklommen zu haben.

    Dating

    Ob diese Strategie hilfreich ist oder nicht, hängt ganz von den Erwartungen ab. In den Ratgebern wird meist davon abgeraten. Zuerst muss man die zerbrochene Beziehung verarbeitet haben, bevor man sich für eine neue öffnen kann. Das stimmt wahrscheinlich auch. Manchmal kann Dating aber auch ego-boostende Wirkung entfalten, auch wenn man nicht den Partner des Lebens trifft. Obwohl ich meine Dates in dieser Lebenslage ehrlicherweise schon mit diesem Wunsch im Hinterkopf getroffen habe.

    Und manchmal kann sich eine Verliebtheit ergeben, die einen über schwierige Zeiten trägt, ohne dass sich daraus eine tragfähige Partnerschaft entwickelt. Und das ist dann auch gut. So wie es mir in „Trennung al dente“ passiert ist.

  • Herzschmerz, Trennung und Seitensprung: 5 Bücher, die mir geholfen haben

    Herzschmerz, Trennung und Seitensprung: 5 Bücher, die mir geholfen haben

    Manchmal beginnt es mit einem Seitensprung. Ein Seitensprung muss ja nicht zwangsläufig zu einer Trennung führen. Trotzdem ist er mit enormem Schmerz verbunden, egal wie die Geschichte sich entwickelt. In meinem Fall war ich auf der Suche nach Hilfe, damit die Geschichte sich möglichst in die richtige Richtung entwickelt. Aber was ist überhaupt die richtige Richtung? Im Orkan der Gefühle konnte ich das unmöglich ausmachen, ich brauchte einen Kompass. 

    Die Ratschläge eines Eheberaters waren mehr als skurril, wie ich fand. Trotzdem versuchte ich sie zu befolgen, obwohl sie mich teilweise an meine Grenzen brachten. In meinem Buch „Trennung al dente“ habe ich die Ratlosigkeit in der dieser stürmischen Zeit verarbeitet. Mehr über mein Buch könnt ihr hier erfahren:

    Auch in Ratgeber-Literatur suche ich immer wieder nach Hilfe. Daher möchte ich hier eine kleine Auswahl dazu geben. Zu aller erst möchte ich festhalten, dass es sich hier keineswegs um Rezensionen im herkömmlichen Sinn handelt. Ich schreibe nur auf, was ich in meiner Situation für mich daraus mit nehmen konnte. Oder eben auch nicht. Würde ich heute diese Bücher lesen, würde ich völlig andere Schlüsse daraus ziehen. Und vielleicht wäre das keine schlecht Idee. Zumindest bei der Nummer eins:

    Mathias Jung „Außen Beziehung“

    2. Auflage 2005, emu Verlag, ISBN 3-89189-095-8

    Dieses Buch sollte man eigentlich vorbeugend lesen. Aber wer würde so etwas schon machen? Kurz nachdem ich die Affäre meines Mannes entdeckt hatte, fiel es mir schwer, mich auf den Inhalt einzulassen. Viel zu sehr war ich in meiner schwarz-weißen Welt gefangen mit dem Untreuen als Schuldigen und dem Betrogenen als Opfer. Dieses Buch geht sehr viel tiefer an die Wurzeln und Ursachen der Eheprobleme. Aufgelockert wird das ganze durch zahlreiche Zitate und Karikaturen. Vielleicht sollte ich es jetzt noch einmal lesen, quasi prophylaktisch.

    Hans Jellouschek „Warum hast du mir das angetan?“

    12. Auflage 2011, PIPER, ISBN 978-3-492-23892-2

    Dieser Titel spiegelte schon sehr viel mehr meine damalige Gefühlslage und meine Geisteshaltung wieder. Wie konnte er mir das nur antun. Im Klappentext wird vom Schock geschrieben, den der Betrogene erlebt. Trotzdem müsse das nicht der Tod der Beziehung sein. Diese Aussicht verlockte mich zum Kauf. 

    Im Buch werden die Dreiecksgeschichten dreier Paare beschrieben. Auch das ist für mich meist hilfreicher als nur graue Theorie. Ich habe mir viele Stellen im Buch markiert. Und hätten wir den einen oder anderen Ratschlag befolgt, hätten wir uns vielleicht die eine oder andere Schleife sparen können. Zwischen Wissen und Tun liegen eben immer noch Welten. Aber immerhin war dieses Buch eine Hilfe um zu verstehen, was da gerade mit uns passiert. Sollte ich noch einmal in diese Lebenslage geraten, werde ich es auf alle Fälle wieder lesen. Und dabei feststellen, ob dabei die gleichen Stellen markierenswert erscheinen wie beim ersten Mal. 

    Andrew G. Marshall „Kann ich dir jemals wieder vertrauen? So bewältigen Sie den Seitensprung ihres Partners“

    1. Auflage 2011, Goldmann, ISBN 978-3-442-17228-3

    Bei diesem Buch war ich gedanklich schon einen Schritt weiter. Ich wollte die Beziehung retten und fragte mich, ob ich wieder vertrauen könne. Aus dem Buch erhoffte ich mir nicht nur die Beantwortung der Frage, sondern auch ein Kochrezept, wie das gelingen könne. Im Buch werden die sieben Phasen beschrieben, die Paare von der Aufdeckung der Affäre bis zum Neuanfang durchlaufen. Ich fühlte mich durch den Schreibstil und die Schilderung der Beispiel-Paare durchaus abgeholt.  Auch in diesem Exemplar von mir finden sich zahlreiche Unterstreichungen und ich versuchte, Tipps zu befolgen. Die Sache hatte nur einen Haken. An der Umsetzung müssen beide Partner gemeinsam arbeiten. In der vierten Phase „Hoffnung“ sind wir grandios gescheitert an der Frage, wie der Kontakt zur verflossenen Affäre zu handhaben ist. In „Trennung al dente“ könnt ihr auch dieses Scheitern verfolgen.

    Sollte ich wieder in diese Lebenslage gelangen, werde ich es meinen Partner lesen lassen als Anleitung, wie er mein Vertrauen wieder gewinnen kann. Wenn er das entweder ablehnt oder nicht auf die Reihe kriegt, weiß ich, dass ich die Frage aus dem Titel mit „NEIN“ beantworten kann.

    Elena-Katharina Sohn “Goodbye Herzschmerz- eine Anleitung zum Wieder-Glücklichsein“

    Ullstein 2016, ISBN 978-3-8437-1213-2

    Das ist so ein wunderbares Buch! Ich fühlte mich nicht nur abgeholt, sondern stellenweise auch an der Hand genommen und manchmal sogar umarmt von den liebevollen Worten. Wie der Titel schon sagt, geht es hier nicht nur um den klassischen Liebeskummer der Verlassenen. Es gibt viele Spielarten davon und jede Art von Herzschmerz hat seine Berechtigung, auch wenn man sich das manchmal nicht zugestehen mag. Man kann sich schließlich nicht „verfühlen“.

    Obwohl ich mich natürlich auch wieder nicht manche Ratschläge gehalten habe. Die Frage „soll ich mich bei einer Dating-Börse anmelden“ wird definitiv mit NEIN beantwortet. Wie ihr in meinem Buch lesen könnt, war meine gegenteilige Strategie nicht sehr erfolgreich. 

    Ich hoffe zwar, dass ich nicht mehr in diese Lage geraten werde, aber wenn, weiß ich wenigstens, was ich als erstes lesen werde.

    Jos Willems, Birgit Appeldoorn, Maaike Goyens „Als Paar getrennt, als Eltern zusammen. Wie eine gemeinsame Erziehung nach der Trennung gelingt.“

    Patmos Verlag 2015, ISBN 978-3-8436-0573-1

    Dieses Buch betrifft den aus meiner Sicht hässlichsten Aspekt der Trennung. Die Folgen für die gemeinsamen Kinder. Für mich war das Auseinanderbrechen der Familie am Anfang meiner Trennungsgeschichte so unvorstellbar, dass ich dachte, alles ertragen zu müssen, um diese Familie aufrecht erhalten zu können. Das beinhaltet schon zwei Denkfehler. Erstens liegt es nicht immer in der Macht des Einzelnen. Wenn der Partner geht, dann tut der das. Zweitens ist ein verkrampftes Zusammenbleiben nicht zwangsläufig das beste für die Kinder, auch wenn ich das lange Zeit glaubte. 

    Dieses Buch kann eine gute Hilfestellung sein auf der Suche nach dem besten Weg für alle Beteiligten. Auch hier helfen zahlreiche Beispiele dabei, die Perspektive zu wechseln und das ganze auch mal aus Sicht der Kinder zu sehen, anstatt in eigenen Glaubenssätzen gefangen zu bleiben.